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Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Monograph

Identifikator:
879457236
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-16989
Document type:
Monograph
Title:
Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
Place of publication:
Frankfurt a. O.
Publisher:
Verlag der Waldow'schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler)
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (XV, 514 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Zweiter Teil. — Handel
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

168 Zweiter Teil. Landet. VIII. Der Wettbewerb im Lande! re. 
Fehlen der Konkurrenz von der einen Seite die Arsache. I. St. Mill sagt, das Ver 
langen nach Schuh gegen Konkurrenz bedeute Enthebung von der Notwendigkeit, so 
fleißig und so geschickt zu sein wie andere Leute. 
Aber schon Fichte nennt die freie Konkurrenz ein Raubsystem, Michel Chevalier 
ein Schlachtfeld, auf dem die Kleinen von den Großen verschlungen werden. Fourier 
meint, sie erzeuge den Betrug im Landet und die allgemeine Spitzbüberei. Nach 
Louis Blanc ist sie ein System der Vernichtung für die Annen, qui prepare ä 
l’avenir une generation decrepite, estropiee, gangrenee, pourrie; der Verweis 
auf die Billigkeit sei eine Täuschung, da sie nicht anhalte, der dem marche, ruft er, 
ist eine Keule, mit welcher der reiche Produzent den armen totschlägt, der Linterhalt, 
in welchen der kühne Spekulant den Fleißigen lockt, das Todesurteil für den Fabri 
kanten, der im Moment die teure Maschine seines Konkurrenten nicht anschaffen kann; 
der dem marche ist der Exekutor der Meisterstücke des Monopols, der Vernichter 
des Mittelstandes. Die Konkurrenz, sagt Engels, ist der vollkommenste Ausdruck des 
in der modernen bürgerlichen Gesellschaft herrschenden Krieges aller gegen alle; es ist 
ein Krieg um das Leben, um die Existenz, im Notfall auf Leben und Tod. Die Kon 
kurrenz ist die schärfste Waffe der Bourgeoisie gegen das Proletariat. 
Proudhon erkennt beide Seiten; für ihn ist die Konkurrenz einerseits der Aus 
druck der sozialen Spontaneität, das Sinnbild der Demokratie und Gleichheit, die 
Stütze der Assoziation, die Triebfeder der individuellen Kräfte, der Sieg der Freiheit 
und Selbstverantwortlichkeit, der Bekämpfer der Faulheit; aber andererseits trägt die 
Konkurrenz den Mordinstinkt an der Stirne, untergräbt alle Begriffe von Billigkeit 
und Gerechtigkeit, vermehrt die wirklichen Kosten, erzeugt bald Teuerung, bald Ent 
wertung; sie verdirbt das öffentliche Gewissen, indem sie das Spiel an die Stelle des 
Rechtes setzt, und erzeugt überall Mißtrauen und Schrecken. Aber, fügt er mit 
richttgem Instinkt bei, man muß die Konkurrenz nicht zerstören, sondern ihre Polizei finden. 
Der gewöhnlichste Vorwurf ist heute, und zwar nicht bloß bei den Sozialisten, 
sie erzeuge die sogenannte Anarchie der Produktion, den Wechsel von Überangebot 
und Anterangebot, die Krisen, sie sei schuld an der allgemeinen Korruptton des Ver 
kehrs, und ihr letztes Resultat sei stets oder häufig das Monopol und die Ausbeutung. 
Man könnte sagen, die meisten dieser entgegengesetzten Arteile seien ebenso falsch 
wie wahr. Oder vielmehr, sie seien gar nicht entgegengesetzt, sowenig wie die Aus- 
sprüche zweier Ärzte, eine kleine Dosis von Arsenik belebe die Lerztätigkeit, eine große 
lähme sie und töte den Menschen. 
Was wir Konkurrenz nennen, sind komplizierte gesellschaftliche, halb psychische, 
halb materielle Vorgänge sehr verschiedener Art, und darum haben sie verschiedene 
Folgen. Nur indem man die Personen und Personenkreise, die Größe oder Enge des 
Marktes, die Vcrkehrsverhältnisse, die psychologische und sittliche Atmosphäre, die mit 
wirkenden Rechtsinstttuttonen unterscheidet, kann man zu einem wohlbegründeten Arteil 
kommen. Nichts ist falscher als die Vorstellung, die Konkurrenz oder die freie Kon 
kurrenz sei eine einfache gesellschaftliche Einrichtung oder eine Verfaffungsform der Volks 
wirtschaft, die man durch Gesetz dekretieren könne, und die dann stets bestimmte gleiche 
Folgen habe, ein im voraus bestimmtes Maß von Wettbewerb, eine bestimmte Wirkung 
auf die Preise oder auf die Produktion erzeuge. Der eine, der freie Konkurrenz verlangt, 
denkt an die Beseittgung des Zunftwesens, der andere an die aller Schutzzölle, der 
dritte an die Anterdrückung der Kartelle und Gewerkschaften. Mag die äußere Rechts 
ordnung der Volkswirtschaft oder des Marktes viel ausmachen für das Maß von 
Konkurrenz, das entsteht oder vielmehr entstehen kann: das erste bleibt die Zahl und 
die Art der im einzelnen Geschäftsgebiet vorhandenen Menschen, die für sie vorhandene 
Verkehrsmöglichkeit, ihre gegenseitige Beeinflussung, das Maß ihres Erwerbstriebes, 
ihre Rücksichtslosigkeit und alles derarttge.
	        

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Volkswirtschaftliches Lesebuch Für Kaufleute. Verlag der Waldow’schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler), 1905.
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