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Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Monograph

Identifikator:
879457236
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-16989
Document type:
Monograph
Title:
Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
Place of publication:
Frankfurt a. O.
Publisher:
Verlag der Waldow'schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler)
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (XV, 514 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Zweiter Teil. — Handel
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

202 
Zweiter Teil. Lande!. IX. Märkte und Messen. 
hältnisse, die für Westeuropa den dunkelsten Perioden der Wirtschaftsgeschichte angehören, 
— in die Zeit vor Entstehung der Städte. Die Kaufleute, von welchen die Bauern 
die wenigen Waren ihres Bedarfes auf den ländlichen Kleinmessen kauften, bildeten 
noch um die Mitte des vorigen Jahrhunderts eine wandernde Bevölkerungsklasse. Sie 
verproviantierten sich auf den großen Jahrmärkten, auf welchen die Großkaufleute und 
die mit dem Ausland in Beziehung stehenden Importeure erschienen. Diese Jahrmärkte 
folgten der Zeit nach in der Weise aufeinander, daß die unverkauften Waren von 
einem Markt auf den nächsten geschafft werden konnten. Ähnlich wie einst die Messen 
der Champagne ein in sich geschlossenes System bildeten, so standen in Rußland bis in 
die neueste Zeit die großrussischen und die kleinrussischen Messen nebeneinander. In 
sich geschlossen, hatten beide gegenseitig wenig Beziehungen. Nach dem Berichte des 
Ivan Aksakoff über die Jahrmärkte der Akraine hatten viele Kaufleute, welche auf den 
Messen Kleinrußlands verkauften, im Laufe des Jahres ihre Waren an zwanzigmal ein 
und auszupacken, um im folgenden Jahre denselben Kreislauf von neuem anzutreten. 
Auch diese größeren Messen waren keineswegs notwendig mit Städten verbunden: 
Zrbit, auf dessen Messen noch gegenwärtig an 100 000 Personen zusammenströmen, 
zählt nicht mehr als 5000 ständige Einwohner; der älteste der kleinrussischen Märkte 
bei Kursk lag in einer als „Einöde" bezeichneten Gegend. Klöster vielmehr scheinen 
Anziehungspunkte für den Meßverkehr gebildet zu haben, wie auch in Westeuropa 
Reliquienbesih oft zum Meßort emporhob. 
Von allen Messen war und ist die Messe von Nischni-Nowgorod die 
wichtigste. Diese Stadt bildet den östlichen Endpunkt des Jndustriebezirks und liegt 
in einer für den Wasserverkehr außerordentlich günstigen Lage, an dem Zusammenfluß 
von Wolga und Oka. Nach diesem Punkt siedelt vom 15. Juli bis 10. September 
jeden Jahres der Moskauer Landet über. Von hieraus vollzieht sich die Verteilung 
der Waren noch heute für den größten Teil Großrußlands und des asiatischen Ruß 
land. Von Eröffnung der Schiffahrt im Frühjahr bis zu Beginn der Messe können 
fast aus allen Teilen des Reiches die Waren nach Nischni gebracht sein, und noch ist 
es Zeit, daß die Käufer sie abermals verschiffen, ehe die Ströme zufrieren. 
Or. Kosegarten, welcher 1843 die Messe besuchte, gibt ein interessantes Waren 
verzeichnis. Vorwiegend nennt er Produkte des bäuerlichen Lausfleißes: grobe Textil 
stoffe, Räder, kleine Metallwaren, Leiligenbilder, Ritualschriften, Ebelmetallarbciten, 
Schuhe usw. 
Neben den Erzeugnissen des bäuerlichen, meist nordrussischen Lausfleißes traf 
Kosegarten 1843 aus der Nischnier Messe gewisse wertvollere Naturprodukte des 
Südens und Ostens, z. B. tatarische Schafpelze für Winterkleidung, sibirisches Pelz 
werk, Baumwolle, edle Lölzer aus deni Süden und vor allem den Tee, damals die 
leitende Ware der Messe. Der Abschluß des Teehandels war für den Geschäftsgang 
der Messe überhaupt entscheidend, direkt zunächst für den Lande! mit Wollstoffen, 
gegen welche in Kiachta die Chinesen den Tee austauschten. Der Techandel befand 
sich, entgegen dem Lande! in den oben genannten mehr demokratischen Waren, in 
wenigen Länden. Das chinesische Viertel der Messe, nicht etwa von Chinesen, sondern 
von den mit Kiachta in Verbindung stehenden Großkaufleuten und Kommissionären 
bevölkert, war der vornehmste Teil der Messe; ähnlich heißt noch heute die Altstadt 
von Moskau Chinesenstadt (Kitaigorod), — ein Beweis dafür, wie der Großhandel 
zunächst anknüpft an die wertvollen, wenig voluminösen Naturprodukte des fernen 
Auslandes. Ein ähnliches Objekt, wenn auch von weit geringerer Bedeutung als der 
Tee, war der westeuropäische Wein. 
Von fremden Jndustrieprodukten bezeugt Kosegarten ausdrücklich persische und 
bucharische Baumwollgewebe, von europäischen Waren die „Ladenhüter" Westeuropas, 
die auf verschiedenen Etappen bis in das Innere Rußlands vorgedrungen waren.
	        

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Volkswirtschaftliches Lesebuch Für Kaufleute. Verlag der Waldow’schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler), 1905.
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