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Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Monograph

Identifikator:
879457236
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-16989
Document type:
Monograph
Title:
Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
Place of publication:
Frankfurt a. O.
Publisher:
Verlag der Waldow'schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler)
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (XV, 514 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Dritter Teil. — Industrie
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

328 
Dritter Teil. Industrie. 
Leute hat unsere Chemikalienindustrie, namentlich unsere Präparaten- und Farb- 
warenindustrie, die Führerrolle unter den chemischen Industrien der Welt. And vor 
erst ist keine noch so geschickte Nachahmung, keine noch so große Kapitalkraft des Aus 
landes im stände, diese leitende Stellung zu erschüttern. 
8. Die Rübenzuckerindustrie. 
Von Lermann Paasche. 
paasche, Zuckeriiidustrie und Zuckersteuer. In: Handwörterbuch der StaatLwissenschaftcu. 
lseransgegeben von Lonrad, Elster, Leris, Loening. 2. Aufl. 7. Bd. Jena, Gustav Fischer, WH. 
S. 99?- ioo [. 
Die Rübenzuckerindustrie ist ein Kind deutschen Geistes und zählt ihre 
Lebensdauer erst nach Jahrzehnten, hat es aber verstanden, in dieser kurzen Zeit ihres 
Daseins sich zu einem der wichtigsten Faktoren in der Volkswirtschaft der mittel 
europäischen Staaten emporzuschwingen und mit ihren Erzeugnissen heute auf dem 
Weltmärkte den» bisherigen Alleinherrscher, den: Rohrzucker, den Rang abzulaufen. 
Der Chemiker Marggraf war es bekanntlich, der bereits 1747 in Berlin die 
bedeutsame Entdeckung machte, daß in den Runkelrüben ein dem Rohrzucker des sog. 
„indischen" Zuckers völlig gleicher Stoff enthalten sei. Aber fast ein halbes Jahr 
hundert blieb seine Entdeckung ohne praktische Resultate. Erst den rastlosen Versuchen 
und Bemühungen des geistvollen Fr. Karl Achard gelang es. die technische Verwendung 
der deutschen Erfindung durchzusetzen. In der auf dem eigenen Gute Cunern in 
Niederschlesien errichteten ersten Rohzuckerfabrik Deutschlands begann er in bescheidensten 
Verhältnissen die Verarbeitung der gewonnenen Zuckerrüben, und cs gelang ihm. die 
zahllosen Schwierigkeiten, die sich dem neuen Anternehmen in technischer und wirtschaft 
licher Richtung entgegenstellten, siegreich zu überwinden, so daß er im Jahre 1809 nach 
sechsjährigen Erfahrungen seine noch heute hochbedcutsame Schrift „Die europäische 
Zuckerfabrikation aus Runkelrüben" veröffentlichen und die Ergebnisse seiner Versuche 
der Kritik unterbreiten, zur Nachahmung auffordern konnte. 
Aber die Angunst der Zeiten, der Druck der französischen Fremdherrschaft lähmte 
naturgemäß die Anternehmungslust, hinderte die Regierungen an wirksamer Pflege des 
jungen Keimes, und die Pflanze verdarb, die wenigen Fabriken gingen zugrunde, und 
erst Ende der zwanziger Jahre ward in Deutschland wie in Österreich der erneute und 
diesmal dauernd erfolgreiche Versuch begonnen, eine eigene Rohzuckerindustrie zu schaffen. 
Das damals weltbehcrrschende Frankreich hatte unter dem Schutze seines 
allmächtigen Kaisers den deutschen Gedanken aufgenommen und eine Reihe von Fabriken 
begründet, die unter dem Einfluß der Kontinentalsperre eine Zeit lang fröhlich gediehen, 
dann siechten, aber nicht zugrunde gingen und schließlich nach mannigfaltigen, technischen 
Verbesserungen sich als dauernd lebensfähig erwiesen, so daß Ende des dritten Jahr 
zehntes bereits 58 Fabriken im Betriebe waren. Auch Rußland hatte schon zu einer 
Zeit, ehe Deutschland seinen zweiten Versuch unternahm, über eine stattliche Zahl von 
Fabriken zu verfügen; aber den Franzosen gebührt das Verdienst, daß sic die deutsche 
Erfindung großgezogen und konkurrenzfähig gemacht haben. 
Leute ist Deutschland das erste Zuckerland der Welt, das den meisten Zucker 
für den Weltmarkt erzeugt, und das sich gleichmäßig rühmen darf, die Zucht der 
Rüben und die technische Verarbeittmg derselben zu einer bisher nicht erreichten Voll 
kommenheit gebracht zu haben. Aus den kleinen Zuckerkochereien, die wenige Zentner
	        

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Volkswirtschaftliches Lesebuch Für Kaufleute. Verlag der Waldow’schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler), 1905.
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