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Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Monograph

Identifikator:
879457236
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-16989
Document type:
Monograph
Title:
Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
Place of publication:
Frankfurt a. O.
Publisher:
Verlag der Waldow'schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler)
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (XV, 514 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

9. Die deutsch-russische Handelsbilanz. 
397 
reaktionären Panslavismus. Er beseitigte damit für beide Teile die Gefahr des 
unnützesten aller Kriege, wie uns von maßgebender Stelle, die es wiffen muß, 
bestätigt wurde. In diesem Sinne war der Handelsvertrag ein Bedürfnis der aus 
wärtigen Politik beider Staaten. 
9. Die deutsch-russische Handelsbilanz. 
Bon Paul Arndt. 
Arndt, Zum Abschluß eines neuen deutsch-russischen Handelsvertrages. In: Beiträge 
zur neuesten fjanbcIspolitiF Deutschlands, herausgegeben vom Verein für Sozialpolitik. 3. Bd. 
Leipzig, Duncker & ksinnblot, ,yo>. 5. e— 
Die Erörterungen über die „Bilanz" des Außenhandels spielen in den handels- 
politischen Kämpfen unserer Zeit noch immer eine große Rolle. Die Erkenntnis, daß 
sich aus der Handelsbilanz sehr wenig schließen läßt, ist nur spärlich verbreitet. Die 
Vorstellung, daß es ein gutes Zeichen sei, wenn die Handelsbilanz „günstig" ist, d. h. 
wenn die Ausfuhr größer ist als die Einfuhr, ist kaum auszurotten. Die große Be 
deutung, welche man noch heute in einflußreichen Kreisen der Frage der Handelsbilanz 
beimißt, veranlaßt mich zu einem näheren Eingehen auf die deutsch-russische Handels 
bilanz. Es besteht tatsächlich die Gefahr, daß die beliebte oberflächliche Interpretation 
dieser Handelsbilanz zu handelspolitischen Konflikten zwischen Deutschland und Ruß 
land führen kann, — wird doch schon jetzt, anläßlich der Debatten über die Erhöhung 
der deutschen Getreidezölle, von beiden Seiten die Möglichkeit eines neuen Zollkrieges ins 
Auge gefaßt. Bekanntlich wird auf Grund der Handelsbilanztheorie ein Zollkrieg 
leichteren Herzens von denjenigen begonnen, welche dem Gegner mehr Waren abkaufen, 
als sic an ihn verkaufen; in dieser glücklichen Lage glauben beide beteiligte Parteien 
zu sein. Es ist daher von eminent praktischer Bedeutung, die Grundlagen, auf welche 
sich solche handelspolitischen Erwägungen stützen, auf ihre Verläßlichkeit hin genau 
zu prüfen. 
Untersuchen wir zunächst die Elemente, aus welchen sich der deutsch-russische 
Handelsverkehr zusammensetzt. Welcherlei Anlässe haben die Russen, nach Deutschland 
Waren zu senden? Es handelt sich hier natürlich nicht um die Motive der Privat 
personen, sondern um volkswirtschaftliche Gründe. Erstens wünschen die Russen, zahl 
reiche deutsche Waren, welche sic in Rußland konsumieren wollen, aus Deutschland 
zu beziehen; sie tauschen dieselben gegen russische Produkte, welche nach Deutschland 
exportiert werden, ein. Zweitens haben die Russen viel Kapital von Deutschen geliehen 
und sind jetzt gezwungen, ihre Schulden zu verzinsen, teilweise auch zu amortisieren; 
dies bedingt, da Edelmetall hierzu nicht in genügender Menge verfügbar ist, die Ver 
sendung weiterer bedeutender Warenmengen nach Deutschland. Drittens verursacht der 
Aufenthalt zahlreicher Russen in Deutschland zu Studien- oder Vergnügungszwecken 
der russischen Volkswirtschaft weitere Ausgabe»; die Mittel zur Unterhaltung der nach 
Deutschland gereisten Russen kommen auch meistens in Warenform in Deutschland an. 
Viertens müssen die Russen beträchtliche Summen an deutsche Kaufleute und Transport 
unternehmer bezahlen, welche einen Teil des Warenverkehrs zwischen Rußland und dem 
Auslande vermitteln; diese Zahlungen werden gleichfalls meistens in Waren geleistet. 
Fünftens haben die Russen ein lebhaftes Interesse daran, zur Befestigung ihrer 
Währung Massen von Edelmetall, namentlich Gold, in ihr Land zu ziehen; sie ver 
senden daher, um Edelmetall aus Deutschland importieren zu können, möglichst große 
Warenmengen dorthin, die sie in Edelmetall umzusehen suchen.
	        

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Volkswirtschaftliches Lesebuch Für Kaufleute. Verlag der Waldow’schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler), 1905.
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