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Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Monograph

Identifikator:
879457236
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-16989
Document type:
Monograph
Title:
Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
Place of publication:
Frankfurt a. O.
Publisher:
Verlag der Waldow'schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler)
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (XV, 514 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Fünfter Teil. — Verkehrswesen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

4. Das Verkehrswesen in Deutschland vor 70 Jahren. 411 
zu einer kritischen Zeit eine solche an eine gewichtige Person an, so geriet leicht der 
ganze Ort in Aufregung über die Frage, was das wohl bedeuten möge. Zwischen 
nahegelegenen Orten wurde auch noch der Verkehr vielfach durch Botenfrauen ver 
mittelt, welche mit einer Köze auf dem Rücken regelmäßig hin- und hergingen und 
alle kleineren Sendungen besorgten. 
Die Langwierigkeit und Kostspieligkeit des Postverkehrs übte natürlich ihren 
Einfluß auch auf das Briefschreiben aus. Zn kaufmännischen Kreisen wurden wohl 
schon damals Briefe reichlich gewechselt. Zm allgemeinen aber war der Briefverkehr 
äußerst gering. Dafür kann folgendes als Zeugnis dienen. Saß man abends im 
häuslichen Kreise um das brennende Talglicht, so bildete sich mitunter an dem Dochte 
desselben eine rotglühende Schnuppe, einem roten Siegel vergleichbar. Dann prophezeite 
man scherzweise demjenigen, welchem dieses Phänomen zugewandt war: „Du bekommst 
einen Brief!" Das war damals noch ein Ereignis. Schrieb man selbst einen Brief, 
so mußte man ihn an dem Postschalter in die Lände des Beamten liefern. Erst im 
Jahre 1848 schuf die träge Taxissche Postverwaltung in den Straßen ausgehängte 
Briefkasten, nachdem Fr. Oetker in seiner „Neuen hessischen Zeitung" sie aufs ärgste 
dazu gedrängt hatte. Wollte der Absender den Brief frankieren, so mußte er das 
Porto an dem Postschalter bar erlegen. Für die Taxierung des Briefes fanden sehr 
verwickelte Berechnungen statt, da dasselbe nach der Meilenzahl in vielen Abstufungen 
sich steigerte. Danach belief sich das Porto für die weiteste Entfernung des preußischen 
Gebiets auf 19 Sgr. Ähnlich verhielt es sich in den übrigen Postgebieten. Auch 
die Taxe für Pakete wurde nach der Entfernung in weithin sich steigernden Sähen 
berechnet. Bereits im Jahre 1844 wurde jedoch das Briefporto für die weiteste 
Entfernung auf 6 Sgr. herabgesetzt. Ein Brief von Kassel nach Berlin kostete 6, 
nach Frankfurt a. M. 8 Sgr., wozu noch l U Sgr. Bestellgeld kam. Übrigens war es gar 
nicht üblich, Briefe zu frankieren. Ein Strafporto wegen unterbliebener Frankatur 
bestand nicht, And deshalb überließ man gern dem Empfänger die Zahlung des Portos, 
da man dann sicherer zu sein glaubte, daß die Post den Brief wirklich besorge. Ein 
Amschwung in diesen Verhältnissen trat erst durch den im Jahre 1850 abgeschlossenen 
deutsch-österreichischen Postvertrag ein, in welchem das Porto für das ganze Post 
vereinsgebiet auf 1, 2 und 3 Sgr. festgesetzt wurde. Zugleich wurde für die Nicht 
frankatur ein Strafporto angeordnet, das Frankieren aber durch Einführung von 
Postmarken erleichtert. Welchen weitern Aufschwung dann das Briefschreiben durch 
die Lerabsetzung des Portos für ganz Deutschland und Österreich auf 1 Sgr., durch 
die Einführung der Postkarten und endlich durch die Schaffung des Weltpostvereins 
genommen, lebt in aller Bewußtsein. Die Postkarte hat unter anderm auch die 
Wirkung gehabt, daß in ihr der Kurialstil der Briefe, auf welchen man früher großen 
Wett legte, mehr und mehr zurücktritt. Wie sind wir Ältern in der Schule gequält 
worden mit allen möglichen Titulaturen von Lochgeboren bis Wohledelgeboren, die 
man einem jeden nach Stand und Würde angedeihen zu lassen habe! Leute kommt 
man mit weit weniger ab. 
Auch das Expedieren eines Briefes war dem Publikum früher noch nicht so 
leicht gemacht als jetzt. Latte man auch in der Schule gelernt, wie aus einem Bogen 
Papier ein Briefumschlag zu machen sei, so war dies doch eine mühselige Arbeit. 
Nur Anstandsbriefc wurden deshalb mit einem solchen versehen. Im gewöhnlichen 
Vettehr zog man vor, die viette Seite des beschttebenen Bogens frei zu lassen und 
den Brief so zusammenzufalten, daß diese vierte Seite als Amschlag diente. Zum 
Schließen des Bttefes bedurfte man dann noch Siegellack oder Oblate. Da sah 
auf der Londoner Industrieausstellung im Jahre 1851 die erstaunte Welt eine kleine 
Maschine, durch eine Landkurbel gettteben, rastlos arbeiten und mit unglaublicher 
Schnelligkeit aus vorgerichteten Papierstücken vollendete Briefumschläge herstellen. Seit-
	        

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Volkswirtschaftliches Lesebuch Für Kaufleute. Verlag der Waldow’schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler), 1905.
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