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Volkswirtschaftliches Quellenbuch

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

Monograph

Identifikator:
890771383
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10133
Document type:
Monograph
Author:
Mollat, Georg http://d-nb.info/gnd/139428143
Title:
Volkswirtschaftliches Quellenbuch
Edition:
Vierte, erweiterte und vermehrte Auflage
Place of publication:
Osterwieck/Harz
Publisher:
Verlag von A. W. Zickfeldt
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXVIII, 654 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Zweiter Teil. Handel
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Quellenbuch
  • Title page
  • Autorenverzeichnis
  • Contents
  • Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. Handel
  • Dritter Teil. Industrie
  • Vierter Teil. Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. Verkehr
  • Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Index

Full text

126 Zweiter Teil. Handel. V. Handelsunternehmung rc. 
das Bestreben, die Gründung kleiner Gesellschaften und die Zulassung der Aktien 
zum Börsenhandel zu erschweren. An der Berliner Börse waren schon vor 1896 nur 
solche Aktien zum Verkehr zugelassen, von denen mindestens für 1 Million Ji nominal 
ausgegeben waren. Und weitere Erschwerungen hat das Börsengesetz gebracht. 
Aktiengesellschaften, welche wesentlich zu dem Zwecke geschaffen werden, in den 
Aktien Spekulationsobjekte zu schaffen, müssen also schon eine gewisse Größe haben. 
So mißbräuchliche Gründungen dieser Art in Zeiten der Überspekulation vorge 
kommen sind, so sehr wird dies Moment doch von manchen grundsätzlichen Gegnern 
der Aktiengesellschaftsform übertrieben. Richtiger wäre, zu sagen, daß zahlreiche 
Aktiengesellschaften errichtet werden des Gründungsgewinns wegen, und daß dies 
möglich ist, weil die Aktie ein Spekulationsobjekt ist. 
Der Grund für die Errichtung einer immer wachsenden Zahl von Aktiengesell 
schaften liegt zum großen Teil am Wachsen des Kapitalbesitzes überhaupt und in der 
Scheu der Kapitalbesitzer vor eigener verantwortlicher wirtschaftlicher Tätigkeit. Das 
hängt aufs engste zusammen mit der wachsenden Bedeutung des Leihkapitals über 
haupt im modernen Wirtschaftsleben (wenn auch natürlich, juristisch betrachtet, der 
Aktionär nicht leiht, sondern an einem Unternehmen sich beteiligt). Es hängt aber 
auch damit zusammen, daß die Großbetriebe zunehmen und zunehmen müssen, und 
daß in steigendem Maße die Leitung größerer wirtschaftlicher Betriebe an Leistungen 
und Fähigkeiten ihrer Leiter wachsende Anforderungen stellt. Die Leitung größerer 
Betriebe wird ein Beruf, zu dem die Kapitalsbesitzer sich vielfach nicht eignen, oder 
dem die Kapitalsbesitzer sich nicht hingeben, weil sie einen andern Beruf haben. Wie 
der Kredit, so ermöglicht die Aktiengesellschaft, daß die Kapitalbesitzer und die Leiter 
der wirtschaftlichen Tätigkeit verschiedene Personen sein können. Der Kapitalist ver 
zichtet aus einen Teil des Unternehmergewinns, indem er die leitende Tätigkeit von 
Beamten besorgen läßt. Seiner verminderten Tätigkeit entspricht in der Aktiengesell 
schaft das verminderte Risiko, aber auch der verminderte Unternehmergewinn. Bei 
einer sicheren Aktiengesellschaft wird der Kurs der Aktie nicht wesentlich unter dem 
Kurse gleich sicherer Rentenpapiere stehen. Hohe Dividende bei niedrigem Kurs 
bedeutet eine starke Risikoprämie, nicht hohen Unternehmergewinn, abgesehen von 
den Fällen vorübergehender hoher Vorzugsrenten. Gelegentliche hohe Dividenden 
können sogar die Wirkung haben, daß der Kurs im Vergleich zum Risiko unverhält 
nismäßig hoch ist wegen der Hoffnung auf Wiederholung ähnlicher Dividenden (Berg 
werksaktien!). In derartigen Fällen, wie in solchen, bei denen das Unternehmen 
auch ohne oder mit ganz geringem Gewinn fortgeführt wird, eben weil es die Form 
der Aktiengesellschaft hat, kann die Dividende oft lange Zeit geringer sein als Zins 
plus Risikoprämie, mit anderen Worten der Unternehmergewinn ganz verschwinden. 
Die Aktiengesellschaft bedeutet also eine Verminderung der 
Übermacht des bloßen Kapitalbesitzes im Produktionsprozeß. 
Die Aktiengesellschaft geht heute nicht mehr ausschließlich aus dem Bedürfnis 
hervor, große Kapitalien zusammenzubringen. Wohl aber dient sie der Tendenz 
zur Bildung kapital starker Großbetriebe, wie ein Blick auf die 
großen Berg- und Hüttenwerke, Fabriken, Transport- und Versicherungsanstalten, 
Banken, Hotels usw. zeigt. Selbst im Warenhandel, der sich im ganzen wenig zum 
Betriebe auf Aktien eignet, nehmen im Detailhandel die Großbetriebe diese Form an, 
was in Deutschland durch die Bekämpfung der Konsumvereine noch beschleunigt und 
durch törichte Strafsteuern nicht gehemmt wird. Daß die Aktiengesellschaft den neuen 
Konzentrationstendenzen in der Form des „kontrollierenden Interesses", der Inter 
essengemeinschaft, des Kartells, des Trusts dienlich ist, kann hier nur angedeutet 
werden.
	        

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Volkswirtschaftliches Quellenbuch. Verlag von A. W. Zickfeldt, 1913.
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