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Die Theorie der Volkswirtschaft

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Bibliographic data

fullscreen: Die Theorie der Volkswirtschaft

Monograph

Identifikator:
892769734
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-76808
Document type:
Monograph
Author:
Maslov, Petr http://d-nb.info/gnd/123876184
Title:
Die Theorie der Volkswirtschaft
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
Verlag von Arthur Kade
Year of publication:
1912
Scope:
1 Online-Ressource (VIII, 293 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

m 
23* 
1. Der Übergang Deutschlands vom Agrarstaate zum Industriestaate. 355 
in zweiter Linie heranzuziehen. Die Kauptursache der Zunahme der gewerblichen 
Quote der Bevölkerung bis 1871 ist im Grunde höchst einfacher Natur. Sie liegt 
in der fortschreitenden Loslösung der gewerblichen Tätigkeit von der .Hauswirtschaft 
und ihrer Verselbständigung zu besonderen Berufen. Bei immer mehr Gewerbe- 
erzeugnissen tritt an die Stelle der familienwirtschastlichen Eigenproduktion die berufs 
mäßige gewerbliche Verstellung. Lind dieser Prozeß, z. B. das Aufhören des Spinnens 
und Webens für den eigenen Bedarf, war unbedingt notwendig, wenn man der 
Vorteile der neuen Technik, die für diese Gewerbe im 18. Jahrhundert erfunden worden 
war, teilhaftig werden wollte. Nur bei einer Produktion im großen konnten die neuen 
Arbeitsmethoden ihre gewaltig verbilligende Wirkung entfalten. Infolgedessen ist nicht 
nur in den Städten, sondern auch in den Dörfern im 19. Jahrhundert die gewerbliche 
Arbeit im Kaufe für die Bedürfnisse des Kaufes, die zu Anfang des Jahrhunderts 
noch so erheblichen Amfang besaß, imnier mehr eingestellt worden. Das Spinnen und 
Weben, das Nähen nnd Schneidern, das Backen und Schlachten, das Seifekochen 
und Lichterziehen, das Bierbrauen und Krauteinlegen und noch eine ganze Reihe 
anderer gewerblicher Arbeiten, sie hören zunehmend auf, hauswirtschaftliche Tätigkeiten 
zu sein, und verselbständigen sich zu besonderen gewerblichen Berufen. Statistisch stellt 
sich der Vorgang aber als eine Zunahme der gewerblichen auf Kosten der landwirt 
schaftlichen Quote der Bevölkerung dar. 
Eigentlich handelt es sich dabei freilich, wie unschwer zu erkennen, nur uni eine 
scheinbare Verschiebung. Denn die Landwirte, deren Zahl nach der Statistik abnimmt, 
dürfen nur cum g7ano salis als Landwirte bezeichnet werden. In Wirklichkeit sind 
sie Berufszwitter, die vielleicht 2 /a ihrer Arbeitszeit mit landwirtschaftlichen und Vz mit 
gewerblichen Arbeiten beschäftigt sind. Wenn nun an Stelle dieses Zustandes ein 
neuer tritt, bei dem sich die Landwirte viel ausschließlicher der Arproduktton widmen, 
auf die Eigenproduttion der von ihnen gebrauchten Gewerbeprodutte aber verzichten, 
diese vielmehr von fremden Wirtschaften fertig beziehen, so ist klar, daß in der Stattstik 
hieraus eine prozentuale Zunahme der Gewerbtreibenden sich ergeben muß. Denn 
die Stattstik ermittelt ja nur, wieviel Menschen sich berufsmäßig den verschiedenen 
Produttionszwcigen widmen, — und die Zahl der berufsmäßigen Gewerbtreibenden 
nimmt naturgemäß durch diese Entwickelung zu — sie untersucht aber nicht, wieviel 
gewerbliche Arbeit früher und jetzt in den einzelnen Laushaltungen geleistet worden ist. 
In Wahrheit handelt es sich aber bei dem Vorgang, der statistisch als ein relattves 
Wachstum der Industrie erscheint, nicht um einen Rückgang der Landwirtschaft, sondern 
nur um eine Einschräntting der hausgewerblichen Eigenproduktton. Die wirkliche volks 
wirtschaftliche Bedeutung der Landwirtschaft wird jedenfalls durch diesen Vorgang an 
sich nicht vermindert. 
Zu dieser ältesten und vielleicht wichtigsten Arsache der wachsenden Industrialisierung 
der modernen Kulturstaaten gesellt sich als zweiter in der gleichen Richtung wirkender 
Amstand die zunehmende Ersetzung organisierter durch unorganisiette Materie, wie 
Sombart, der zuerst hierauf aufmerksam gemacht hat, den Vorgang treffend bezeichnet. 
Wenn z. B. das Kolz als Brennmaterial durch die Kohle und als Baumaterial beim 
Käufer-, Brücken- und Schiffsbau durch das Eisen verdrängt wird, so ergibt sich hieraus 
in der Berufsstatistik ein Anwachsen der Industrie, weil die im Bergbau und in den 
Eisengewerben beschäftigten Personen der Berufsabtcilung Industrie zugezählt werden. 
Das gleiche Resultat wird erzielt, wenn an die Stelle des tierischen Motors in Berg 
bau und Industrie die Dampfmaschine tritt, wie dies bei uns um die Mitte des letzten 
Jahrhunderts in großem Amfange geschah. Ein erheblicher Teil der Verschiebung, 
die in den Anteilen der landwirtschaftlichen und der gewerblichen Bevölkerung an der 
Gesamtvolkszahl eingetreten ist, ist auf Rechnung dieses Amstandes zu setzen.
	        

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Volkswirtschaftliches Lesebuch Für Kaufleute. Verlag der Waldow’schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler), 1905.
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