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Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

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Bibliographic data

fullscreen: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Monograph

Identifikator:
895603128
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10120
Document type:
Monograph
Author:
Merck, Klemens http://d-nb.info/gnd/1064962637
Title:
Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe
Edition:
Sechste, völlig neu bearbeitete Auflage
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
G.A. Gloeckner, Verlag für Handelswissenschaft
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (IV, 555 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
P
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe
  • Title page
  • A
  • B
  • C
  • D
  • E
  • F
  • G
  • H
  • I
  • J
  • K
  • L
  • M
  • N
  • O
  • P
  • Q
  • R
  • S
  • T
  • U
  • V
  • W
  • X
  • Y
  • Z
  • Index

Full text

■■H 
itÄSS-i 
Physostigmin 
341 
Pikrinsäure 
I 
1 
i 
Physostigmin (Eserin, lat. Physostigminum, 
Eserinum, frz. Eserine, engl. Eserin), das sehr gif 
tige Alkaloid der Kalabarbohne, ist eine starke 
Base und bildet dünne kristallinische Blättchen 
von rhombischer Form, die sich in Äther, .Alko 
hol und Chloroform lösen und bei 102 0 schmel 
zen. Ein einziger Tropfen einer Lösung, die nur 
1 mg P. enthält, bewirkt sofort eine starke, lang 
andauernde Zusammenziehung der Pupille. Man 
verwendet das P. daher in der Augenheilkunde, 
gewöhnlich in Form des Sulfates (schwefel 
saures Physostigmin). 
Piassava (Piassabo, frz. Piassave, engl. Para 
grass, Monkey grass), eine starke, äußerst halt 
bare Pflanzenfaser, die aus Brasilien und 
Venezuela zu uns gebracht wird und von der 
Strickpalme, Attalea funifera (Mart.), ab 
stammt, besteht aus den zähen Fasern der Blatt 
scheiden,, die nach Zerstörung der übrigen Ge 
webeteile durch die Atmosphäre an den Stämmen 
frei herabhängen. Die fischbeinartig elastischen, 
glanzlosen Fasern sind von dunkelbrauner Farbe, 
fast immer abgeplattet, bis zu 1 m, selten darüber 
lang, und 0,8—2,5 mm dick. In den Ursprungs 
ländern fertigt man aus ihnen Matten, Seile und 
Taue, während sie bei uns zur Herstellung fast 
unverwüstlicher Straßenbesen (Piassavabesen), 
Straßenkehrmaschinen und grober Bürsten be 
nutzt wird. Außerdem kommt noch afrikani 
sche P., von einer Palmenart, Raphia vini- 
fera, auf den Markt, die aber spröder und daher 
weniger geschätzt ist, als die brasilianische. 
Pichi, eine aus den getrockneten Stengeln und 
Blättern der in Chile heimischen Nikotianee Fa- 
biana imbricata bestehende Droge, wird als 
Heilmittel gegen Krankheiten der'Schafe und 
Ziegen empfohlen. Das aus der P. hergestellte 
Fluidextrakt findet gegen Erkrankungen der Leber 
und der Harnwege Anwendung. 
Pichurimbohnen (Muskatbohnen, brasi 
lianische Bohnen, lat. Fabae pichurim, frz. 
Peves de Brasil, engl. Beans of Brasil) sind die 
Samenkerne eines namentlich in Brasilien wach 
senden lorbeerartigen Gewächses, Nectandra 
Puchury, die in zwei Formen, als kleine und 
große P., in den Handel kommen. Die Pflanzen 
Vagen fleischige Früchte, aus denen der Kern 
herausgenommen, von der Samenschale befreit 
und am Feuer getrocknet wird. Die gespaltenen, 
Picheln ähnlichen Stücke sind ziemlich hart, 
außen graubraun, innen fleischfarben gelblich 
und mit braunen Punkten marmoriert sowie 
v on etwas mehliger und öliger Beschaffenheit, 
'hr Geschmack und Geruch erinnert an ein Ge 
misch von Muskat und Sassafrasholz. Sie ent 
halten neben ihrem aromatischen Öl auch Gerb 
stoff und werden an Stelle der Muskatnüsse als 
Gewürz benutzt. Früher wurden sie gegen Kolik 
u ud ruhrartige Zustände angewandt. 
Pikee (frz. Piquö, engl. Guilting, Marseille), ein 
baumwollenes Gewebe, das infolge des Vorhan 
denseins von abwechselnd erhöhten und vertieften 
Stellen wie gesteppt (piquü) erscheint, gehört zu 
den Doppelgeweben, d. h. bei seiner Herstellung 
Werden zwei übereinanderliegende Ketten, ver 
wandt, von denen jede besonderen Einschuß er 
hält. Die Verbindung beider Ketten erfolgt da 
durch, daß zeitweise einzelne Fäden der einen 
Kette in die andere verlegt und durch die Ein 
schußfäden dieser Kette mit gebunden werden. 
Für das obere Gewebe, die rechte Seite oder den 
Grund, verwendet man feineres Garn und doppelt 
so viel Fäden als für das untere, das sog. Futter. 
Die Stellen oder- Linien, in denen die beiden Ge 
webe miteinander verbunden sind, erscheinen 
zwischen den übrigen Teilen vertieft. Die Pikees 
sind entweder ganz weiß oder einfarbig und mit 
verschiedenen Mustern bedruckt, oder durch ver 
schiedenfarbige Einschuß- und Kettenfäden ge 
gittert, gestreift oder broschiert und werden zu 
Westen, Unterröcken, Hausanzügen, Sommer 
kleidern, Vorhemdchen und besonders auch zu 
gemusterten Bettdecken verwandt. 
Pikrinsäure (Pikrinsalpetersäure, Tri 
nitrophenol, Trinitrophenylsäure, Tri 
tt itrokarbolsäu re, Köhlens tickst off säure, 
Weiters Bitter, lat. Acidum carbazoticum, Aci 
dum picrinicum, Acidum picronitricum, frz. Acide 
nitrophönisique, engl. Nitrophenisic acid), ein 
außerordentlich wichtiger Gegenstand des Dro 
gen- und Färb warenhandeis, entsteht häufig bei 
der Einwirkung starker Salpetersäure auf organi 
sche Stoffe des Tier- und Pflanzenreichs, und 
zwar sowohl stickstoffhaltiger wie stickstofffreier. 
Jeder gelbe Fleck z. B., den Salpetersäure auf 
Zeugen, auf der Haut usw. hervorbringt, kann 
als durch P. entstanden, betrachtet werden. Be 
sonders reichlich erhält man sie durch Behand 
lung von Indigo mit Salpetersäure. Eine Zeit 
lang wurde die P. aus dem Botanybaiharz oder 
Akaroidharz, später aus dem Steinkohlenteer her- 
gcstellt, während man jetzt nur noch die aus 
diesem abgeschiedene, möglichst reine, vom Kre- 
sol befreite Karbolsäure verwendet. Das Phenol 
wird in konzentrierter Schwefelsäure gelöst und 
die Mischung in stark erwärmte Salpetersäure 
eingetragen, Worauf die P. nach dem Erkalten 
in Form hellgelber, glänzender Schüppchen, 
schmaler Täfelchen oder auch Säulchen aus- 
kristallisiert, die durch nochmaliges Auflösen und 
Umkristallisieren gereinigt werden können. P. 
löst sich schwer in kaltem, leichter in heißem 
Wasser, leicht in Alkohol und Äther. Die Lö 
sungen besitzen eine intensiv gelbe Farbe sowie 
äußerst bitteren Geschmack und wirken im Kör 
per als ein Gift. P., C 6 H 2 (0H)(N0 2 ) s , schmilzt 
bei 122,5° und explodiert bei raschem Erhitzen. 
Ihre Säurenatur beweist sie dadurch, daß sie die 
Kohlensäure aus ihren Salzen austreibt. Im Han 
del hat man außer der reinen P. noch zwei 
weniger reine, undeutlich kristallisierte Sorten 
von blässerer Farbe, in Form derber Massen 
oder Teigform, die entweder infolge der Ver 
wendung unreiner Karbolsäure zahlreiche, beim 
Auflösen in heißem Wasser größtenteils zurück- 
bleibende Verunreinigungen enthalten, oder so 
gar mit Alaun, Magnesiumsulfat oder NatriunL 
sulfat stark verfälscht sind. Der Nachweis dieser 
Zusätze beruht auf ihrer Unlöslichkeit in Alko 
hol. Außerdem enthält P. häufig Mono- und 
Dinitrophenol, die ebenfalls den Wert der Ware 
verringern. Die P. ‘wird zum Färben von Wolle 
und Seide benutzt. Ihr Färbevermögen ist so 
groß, daß schon 1 g für t kg Seide ausreicht. 
Gleiche Verwendung finden ihre Salze, die Pi 
krate, besonders das Natrium- und Ammonium 
pikrat, doch ist bei ihnen äußerste Vorsicht am 
Platze, da sie sehr leicht explodieren. Wegen
	        

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Baugenossenschaften Und Der Berliner Spar- Und Bauverein. Verlag von R. L. Prager, 1904.
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