Full text : Die konsumgenossenschaftliche Gütervermittlung, ihre Technik und wirtschaftliche Bedeutung

(Erstes  Kapitel.
Einführung.

I.  Begriff  und  Entwicklung  der  Konsumgenossenschaft.
Die  Konsumgenossenschaft,  auch  Konsumverein
genannt,  ist  eine  Genossenschaft,  die  die  vorteilhafteste ­
  Beschaffung  des  persönlichen  und  des  Hauswirtschastsbedarfs
  ihrer  Mitglieder  erstrebt.
Zur  Erläuterung  diene  folgendes:  Das  Wort  „Beschaffung"
mußte  angewandt  werden,  weil  die  Konsumgenossenschaft  nicht  nur
kauft,  sondern  auch  herstellt.  Von  „gemeinschaftlichem  Einkauf"
allein,  wie  gelegentlich  definiert  wird/)  kann  also  keine  Rede  sein.
„Vorteilhafteste  Beschaffung"  ist  gesagt,  weil  die  Ware
nicht  nur  billig,  sondern  in  jeder  Beziehung  vorteilhaft,  also
auch  hygienisch  usw.  einwandfrei  sein  soll.  Dieser  letzte  Zweck  gewinnt
sogar  an  Bedeutung  gegenüber  dem  ersten,  da  der  von  den  Konsumvereinen ­
  ausgeübte  Druck  auch  im  Privathandel  ein  Sinken  der
Profitrate  und  eine  Herabminderung  der  Unkosten  hervorgerufen  hat,
sodaß  die  Preisdifferenzen  zwischen  Konsumgenossenschaft  und  Erwerbsgeschäft ­
  nicht  mehr  so  auffällig  groß  sind  wie  früher.  Es  ist
deshalb  nicht  richtig,  einfach  als  Zwecksetzung  „die  Verbilligung"^)  zu
nennen,  wie  es  an  anderer  Stelle  geschieht.
„Hauswirtschaftsbedarf".  Dieses  Wort  ist  im  weitesten
Sinne  gemeint.  Es  umfaßt  nicht  nur  unmittelbare  Konsumtionsgüter, ­
  sondern  auch  solche  Güter,  die  der  Produktion  dienen,
wie  Sämereien,  Futtermittel  usw.,  sofern  die  damit  erzeugten  Produkte
innerhalb  derselben  Hauswirtschaft  wieder  verbraucht  werden.  Dienen
sie  dagegen  letzten  Endes  zu  Erwerbszwecken,  so  gehört  ihre  Vermittlung ­
  nicht  mehr  zu  den  Funktionen  der  Konsumgenossenschaft.

1)  Handw.  der  Staatsw.  III.  Aufl.  6.  Bd.  S.  151.  Ferner  Z  1  Ziff.  5
des  Gesetzes  betr.  die  Erwerbs-  und  Wirtschaftsgenossenschaften.
2)  Das  Konsumvereinswesen  in  Deutschland  von  Wilhelm  Tils  in
Schmollers  Jahrbuch,  37.  Jahrg.  (1913)  4.  Heft  S.  215.
            
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