Full text : Wirtschaft als Leben

Umrisse  einer  Theorie  des  Individuellen,  II.

48  s
‘Ganzen  mit  der  unwiederholbaren  Art  zusammenhängt,  in  der  sie
Systeme  im  System,  also  Individuen  sind.  Das  System  wird  hier
nicht  einfach  in  seine  Teilsysteme  zerlegt,  es  erhellt  vielmehr,  wie
•sich  das  System  in  einer  unwiederholbaren  Art  aus
Teilsystemen  aufbaut,  die  gerade  daraufhin  als  Individuen
erfaßbar  sind,  daß  sie  in  einem  unwiederholbaren  Verhältnis  untereinander ­
  und  zum  Ganzen  stehen.  Dies  zu  zeigen,  macht  nun  den
Vorgang  der  Explikation  aus.  Man  expliziert  in  diesem
Sinne  ein  System,  indem  man  aus  ihm  heraus  seine
Glieder  individualisierend  entwickelt.  Dies  soll  wieder
an  unserem  Beispiele  beleuchtet  werden;  und  zwar  so,  daß  zugleich
die  Wechselbeziehung  zwischen  Explikation  und  Individuation
klar  wird.
Vorher  noch  der  Hinweis,  daß  die  so  verstandene  Explikation  tatsächlich ­
  den  tieferen  Sinn  aller  idiographischen  Reihenbildung  ausmacht.
Nun  bringt  sich  aber  mit  der  letzteren  der  durchgängige  Zusammenhang ­
  aller  Ergebnisse  der  Idiographie  zum  Ausdruck,  und  zwar  gründen
diese  ihre  innere  Einheit  auf  den  Allzusammenhang.  Dieser  ist  es
somit,  was  hier  überall  in  letzter  und  entscheidender  Hinsicht  expliziert ­
  wird,  gemäß  dem  tieferen  Sinne  aller  Reihenbildung.  So
läßt  sich  alle  idiographische  Erkenntnis  auf  den  Einen  Posten  bringen:
Explikation  des  Allzusamme  nhangesl  Vielleicht  klingt  es
befremdlich,  daß  gerade  dort,  wo  man  individualisierend  zu  erkennen
sucht,  wo  man  also  in  das  Einzelnste  und  in  den  Kern  des  Besonderen
Eindringen  will,  daß  gerade  dort  das  Umfassendste  dauernd  im  Auge
hehalten  würde.  Hier  sei  nun  das  Wort  eines  Klassikers  idiographischer
Forschung  in  Erinnerung  gebracht  —  daß  alle  Historie,  was  immer
Ihr  spezieller  Vorwurf  sei,  als  Universalhistorie  sich  gebärden  müsse
(Ranke).  Im  übrigen  kommt  hier  die  oft  wiederholte  Charakteristik
des  idiographischen  Denkens  zu  Ehren:  dessen  Streben  nämlich,  im
Einzelnen  auch  schon  das  Ganze  zu  umfangen  1
Individuation  und  Explikation  stehen  so  zueinander,  daß  sowohl
«he  erstere  von  der  letzteren  abhängig  ist,  wie  auch  umgekehrt.  Zunächst ­
  sei  an  der  Individuation  in  unserem  Beispiele  gezeigt,  wie
auch  sie  eine  explikativ  bedingte  ist;  d.  h.,  auch  bei  ihr  hilft
msgeheim  eine  Explikation  mit.  Dies  ließ  sich  bisher  vernachlässigen,
w eil  hier  schlichteste  Verhältnisse  vorliegen,  über  die  wir  in  blinder
Geläufigkeit  zu  denken  pflegen.  So  versteht  es  sich  für  uns  beinahe
v on  selbst,  daß  wir  unseren  Berg,  um  ihn  zu  charakterisieren,  zunächst
zum  Höhenzug  und  zum  Plateau  in  konstellationsmäßige  Beziehung
bringen.  Freilich  ist  uns  hierfür  auch  der  besondere  Gesichts ­
            
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