tum hinweisen. Man sagt, daß die höheren Schichten niemals An
hänger der Konsumgenossenschaftsidee werden würden. Sie würden
sich niemals dem Schematismus der konsumgenossenschaftlichen
Gütervermittlung anpassen. Sie seien materiell zu gut ge
stellt, um sich irgendeinem Zwang zu unterwerfen. Selbst Kauf
mann sagt, daß manche „so gut situiert sind, daß die kleinen wirt
schaftlichen Vorteile, die ihnen die konsumgenossenschaftliche Organi
sation bringen kann, für sie keine Rolle spielen."^)
Sind es aber wirklich nur kleine wirtschaftliche Vorteile, die
sich den höheren Schichten in der konsumgenossenschaftlichen Güter
vermittlung bieten? Die Vorteile sind gerade groß genug, um einen
Reichen von der Bedeutung, die die Konsumgenossenschaft auch für
ihn hat, überzeugen zu können. Die Konsumgenossenschaften wollen
nicht nur Güter zu niedrigen Preisen verschaffen, sondern vor allem
auch einwandfreie Güter. Ein hoher Preis zeugt nicht im
mer für die Güte eines Artikels und schließt eine Fälschung nicht
aus und noch viel weniger eine unsaubere Behandlung des Artikels.
Zudem reichen die Warenkcnntnisse des Käufers selten so weit, daß er
eine Ware genau beurteilen kann, er ist vielmehr ganz auf die Willkür
des Verkäufers angewiesen. Heute gibt es schon einen gr'oßen Teil
der untersten Volksschichten, die einwandfteiere Bedarfsgüter kon
sumieren als die oberen Schichten. Ich denke z. B. an konsum-
genossenschaftliche Bäckereicrzeugnisse, die in Musterbetrieben her
gestellt werden, und an die Fabrikation der Zigarren durch die Groß
einkaufsgesellschaft deutscher Konsumvereine, die die in dieser In
dustrie so sehr verbreitete Heimarbeit nicht zuletzt im Interesse der
Konsumenten ausgeschaltet hat. Es ist ja auch nichts natürlicher —
man kann das nur immer wiederholen —, als daß die Konsumenten
interessen in einer Konsumentenorganisation in jeder Beziehung ge
wahrt bleiben. Fälschung, Verunreinigung usw. würden unsinnig
sein, der Konsument würde sich damit selbst betrügen. Wenn da
die soziale Oberschicht nicht zurückbleiben will, ist sie wohl oder
übel gezwungen, sich als Konsument in irgendeiner Form zu or
ganisieren. Bis heute fehlt noch der Apostel, der den höheren Ge
sellschaftsschichten verkündet, daß auch sie sich nicht abschließen dür
fen von der Welt des organisierten Konsums. Aber das ist wohl
nur eine Frage der Zeit. In einzelnen deutschen Städten besteht
heute schon der Anschluß der Oberschicht an die Konsumgenossen
schaft, u. a. in Breslau und Stuttgart.
19 ) Heinrich Kaufmann, Die Stellungnahme der Sozialdemokratie
zur Konsumvereinsbewegung. Hamburg 1911. S. 13.