L200 VII Abihnitt: Einzelne Schuldverhältnifje,
5. Soweit nach 88 674, 168 Sag 1 die erlofhene Bollmacdht des Beauftragten
al8 fortbeftebend gilt, wirkt fie nicht zuguniten eines Dritten, der bei der Vornahme eines
Rechtägefchäfts das Erlöfchen fennt oder kennen muß (S 169).
6. Sit der Auftrag durch Eröffnung des Konkurfes über das Vermögen des Auf
traggeber&S erlofchen (Bem. 4 zu S 672), {jo finden die Worfchriften des S 674 entfprechende
Anwendung (RD. 8 23 Abd}. 1 Sab 2). Der Beauftragte ift in Anfehung der nach der
Eröffnung des Verfahrens entfiandenen Erfabanfprüche Ronkursgläubiger (RO. $ 27, vgl.
A. 1, 553 F., B. 1, 874 ff.
7. 8 674 findet auf Dienft: und Werkverträge, die eine Gefchäftzbeforgung 3UM
Segen!tande haben, ent{prechende Anwendung (S 675). Ueber die Anwendbarkeit des 8 674
auf den Teftamentsvolftreder {. 8 2218 Abi. 1.
8. Verwandte Beitimmungen gelten für den Gefellfchafter (S 729; f. au
563, 8 136), den Ehemann (8 1424 AWbf. 1, f. much #8 1472 Ubi. 1 Saß 2, 1497
UbT. 2, 1546 YUbf. 1, 3, 1549), den Gemwalthaber & 1682, den Bormund S 1893
bl. 1) und den Vorerben ($ 2140).
9. In ftrafrechtligher Hinficht kann auf Grund des 8 674 das Vorliegen eines
Bergehens der Untreue (St®B. 8 266) bei Vereinnahmung von Geldern nach Erlöfchen
En ED nen werden (Urt. d. Reichsger. vom 4. November 1907 BI. f. KU.
8 6756.*)
Auf einen Dienftvertrag oder einen Werfvertrag, der eine Sefchäftsbe[orgung
zum Segenftande hat, finden die Vorfchriften der SS 663, 665 bis 670, 672
6i8 674 und, wenn dem Verpflichteten das Recht zufteht, ohne Einhaltung einer
Ründigungsfrift zu kündigen, auch die Vorfchriften des 8 671 Abj. 2 entiprechende
Anwendung.
S, 11, 567 Mb}. 1, 606; 111, 662.
1. Grundgedanke. Die Beftimmung des S 675 beruht auf Befchluß der II. Komm.
und der Nedaktionsfommiffion. Nachdem man die Unentgeltlichteit zum Begriffasmerkmale
des Auftrags erhoben hatte f. Bem. 2, c zu S 662), erichien e8 als zwerdmäßig, einige
der für den Auftrag geltenden Hecht3fäße, die wegen ihres allgemeinen Inhalts überall
da paflen, wo e8 fich um eine Gefchäftsbelorgung für einen Dienftberechtigten oder einen
Beiteller handle, auf Dienijt= und Werkverträge fir anwendbar zu erklären
3. 11, 376 ff, VI, 189). In foftematifher Beziehung mürde daher diefe Beitimmung In
den 6. und 7. Titel diefes Abichnitt3 gehören.
3. Borausiekungen der Anwendbarkeit des S 675. ,
a) € muß ein Dienfit= oder Werkvertrag vorliegen. Ueber den Begriff
bes Dienftvertrags8 |. 8 611 und Bem. I Hiezu, über den Begriff des Werk
bertragsS f. S 631 und Bem. hiezu.
€ muß Jich um einen Dienft= oder Werkvertrag handeln, der eine Ge
1häftsbeforgung zum Gegenftande hat. In der I. Komm. wurde
die Frage aufgeworfen, in meldhem Sinne die Verpflichtung zur „Gefchäfts-
beforgung“ zu verftehen fei. €$ erfcheine hier eine Verdeutlichung geboten,
da die Ausdrucsmeife des Antrags für die Auslegung feine bezeichnenden
Merkmale enthalte und deshalb über die Tragweite der Vorfehrift geftritten
werden miürde. Die Romm. war tedoch der Anlicht, daß die CEnticheidung
*) Val. DO. Benel, Die auf Gefhäftsbeforgung gerichteten entgeltliden Verträge,
Yhering8 Jahrb. Bd. 44 S 31 f.; NR. Bernau, ebenda S. 229 ff; Hellmann, Krit.
Bierteljichr. Bd. 41 S, 222; HH. Bormann, Beiträge zur Erklärung der „SGeichäftsbeforgung“
in S 675 BGOB., Gött. Inaug.Difl., Witten 1901; N Micdhaeli3, Der Begriff der
Seichäftzbelorgung in S$ 675 des BGB. f. d. Deutide Reich, Koftoder Inaug.Difi., Bochum
1902; ©. Albert, Der Begriff „Gejchäftsbeforgung“. nad) dem BGB. f. d. Deutihe Reid,
üb. Inaug.Difl., Heilbronn 1905; € Höchftädter, Der auf eine Gejhäitsbeforgung
gerichtete Dienf{t- und Werfkvertrag, Erl. Inaug.Difl., Kikingen 1905; SH. Buttiammer, Der
Dienftvertrag, der eine Gejchäjt3Zbejorgung zum Gegenitande hat, Erl. Inaug.Diff., Berlin 1907;
Brücner, Inwieweit unterliegen die DienftverhHältnifje der öffentlichen Beamten {owie der
Kedtsanmwälte und YWerzte den Borfjchriften des VGB.?, Recht 1908 S, 465 ff., 497 ff.;
3. Lotmar, Der Arbeitsvertrag Bd. 1, Leipzig 1902 S. 274 ff.; Fr. Lent, Der Begriff
der auftragSlojen SGejichäftsführung, Leibzia 1909, insbelondere S. 78 ff.