. Tatsachen
Die Gewerkschaften aller Richtungen haben sich gegen derartige
Bestrebungen sehr entschieden verwahrt. Die freigewerkschaftlichen
Berufsverbäͤnde frondieren — von ihrem besonderen Klassenstand⸗
punkt aus — gegen eine Methode, die der Zerstörung der sozialistischen
Ideologie durch die „Befriedung der Arbeiter im gegenwartigen Wirt⸗
schaftssystem“ dienen will; mit nicht minderem Rechte lehnen die
christlichen Gewerkschaften eine Gesinnungspolitik ab, die — um einen
im „Deutschen“ gebrauchten Ausdruck hier zu wiederholen — „Götzen⸗
dienst an der Materie, die Werk heißt, bedeutet, vor dem alles andere
verschwindet: Weltanschauung, Familie, Heimat, Vaterland und
Beruf“. Darüber hinaus sehen alle drei Gewerkschaftsrichtungen in
der Differenzierung der Arbeiterschaft nach Betriebsbereichen, wie sie
von der Dintabewegung angestrebt wird, eine schwere Gefährdung
der Massensolidarität der in einem Industriezweig vereinigten Arbeit⸗
nehmer. Die Gewerkschaften haben an und für sich an der Differen⸗
zierung der Arbeitsverhaͤltnisse durch die Rationalisierung, die organi⸗
satorisch, tarifpolitisch und damit auch lohn⸗ und arbeitspolitisch völlig
neuartige Gewerkschaftsprobleme aufgeworfen hat, schon schwer genug
zu tragen. Jede weitere Schwächung der Solidarität der Arbeitnehmer⸗
schaft durch betriebspartikularistische Sonderorganisationen bedeutet
fuͤr sie eine unerwünschte Belastung mit neuen Schwierigkeiten, gegen
die sie gewillt erscheinen sich zur Wehr setzen.
Waͤhrend aus diesen Gründen die Wirkung der genannten industrie⸗
paͤdagogischen Maßnahmen auf die Rationalisierung mehr als
weifelhaft erscheint, kowmmt der Demokratisierung der Wirt⸗
schaft als Mittel zur berufspolitischen Rationalisierung eine ein⸗
deutig positive Bedeutung zu.
Freilich scheinen die Maßnahmen und Einrichtungen der Wirtschafts⸗
—E
antwortlichen Mitwirkung an der Produktionsgestaltung zunächst auf
der Arbeitgeberseite noch lebhafter Abneigung zu begegnen. Da die
wirtschaftliche Machtzusammenballung des Kapitals — die „Konzen⸗