Object: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

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Dichtung. 
erwartet werden, thatsächlich zu einer eng geschnürten, nur das 
Wesentlichste betonenden Sprache führen mußte: die super— 
lativische rhythmische Sprache hatte einen sprachlichen Kontur⸗ 
stil, eine bloße Umrißpoesie zur Folge. 
Konnte nun aber bei einer so überaus starken Stilisierung 
der Form der Inhalt naturalistisch sein oder bleiben — noch 
dazu naturalistisch in jener physiologisch-impressionistischen Art, 
die so gern zur Beschreibung neigt? Holzens eigene Gedichte 
(„Phantasus“, 1898) geben die Antwort. Gewiß ist eine 
Anzahl von ihnen rein naturalistisch. Wie aber steht es mit 
dem folgenden Gedichte, das zugleich als Probe der Gattung 
dienen mag? 
Über die Welt hin ziehen die Wolken. 
Grün durch die Wälder 
Fließt ihr Licht. 
Herz, vergiß! 
In stiller Sonne 
webt linderndster Zauber, 
unter wehenden Blumen blüht tausend Trost! 
Aus fernem 
Vergiß! Vergiß! 
Grund pfeift, horch, ein Vogel ... 
Er singt ein Lied. 
Das Lied vom Glück! 
Vom Glück. 
Da ist doch wohl kein Zweifel: außerordentlich spielt hier 
das Stimmungselement mit, und gerade in und vielleicht nur 
vermöge der stark stilisserten Form kommt es so mächtig zur 
Geltung. Unvermutet ist der naturalistische Asthetiker aus seiner 
Normenwelt ins Stimmungsvolle, Primitiv-Idealistische hin— 
übergeglitten. Und es handelt sich dabei nicht um die Elemente 
persönlichen Empfindens, die schließlich jede Lyrik in sich 
trägt, sondern um ein Übermaß, um ein Pathos der Em— 
pfindung. Daß aber die Form Holzens noch in viel höherem 
Grade das Gefäß gewaltiger dichterischer Erregungen werden 
kann, das haben, will man sich nicht der Goetheschen Lyrik
	        
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