Elektrische Röhrenbahnen. 361
rohr, welches nach Abb. 362 durch eine Anzahl Wasserdruckpressen in das zu durchfahrende
Erdreich hineingedrückt wird. Zur Erleichterung dieser Arbeit wurde vor der jedesmaligen
Ingangsetzung der Pressen ein Hilfsstollen nach Abb. 362 vor dem Schilde gegraben.
Auf der jetzt vollendeten Zentral-Londonbahn benutzte man hierbei einen elektrisch an
getriebenen Trockenbagger. Die in das Schildinnere gelangende Bodenmasse wird auf
Wagen verladen und durch Kräne an die Erdoberfläche geschafft. In stark wasserhaltigem
Boden wird der Schild mit Zwischenwänden versehen und mit Preßluft gefüllt, die ein
Eindringen des Wassers in das Schildinnere hindert.
Bei der City- und Südlondonbahn, wie die erste Röhreubahn genannt wird, wurden
Wasserdruckpresseu von je 48 ein Hub benutzt; ihr Betrieb erfolgte von Hand. War durch
sie der Schild um das Hubmaß vorwärts bewegt, so wurde sofort das Tnnnelrohr um ein
gleich langes Ringstück verlängert und der 6,5 cm breite Hohlraum zwischen diesem Rohr
und dem umgebenden Erdreich mit Kalkbrei ansgefüllt, um ein Nachsinken des Erdbodens
zu verhüten. Den Kalkbrei blies man mittels Luftdrucks aus einer Mischtrommel durch
ein Loch in den einzelnen Rohrstücken ein, wobei unten angefangen wurde. Die Löcher
wurden nachher durch'Holzpfropfen geschlossen svergl. Abb. 361).
Dank dem geschilderten Arbeitsvorgänge ist bei diesem Bahnbau nirgends eine Be
schädigung der Nachbarhäuser eingetreten. Wohl haben einige Hausbesitzer versucht, alte
Risse ihrer Häuserfronten zu verwerten; allein Greathead hatte vor Beginn der Tunnel
arbeiten sämtliche Häuser in den zu unterfahrenden Straßen photographieren lassen. Auf
Grund dieser untrüglichen Beweisstücke konnten alle zu Unrecht erhobenen Ansprüche ab
gewiesen werden. — Im Thonboden, der zum großen Teile das Londoner Gelände unter
lagert, wurde der Tunnel in 24 Stunden um 4 m an einer Arbeitsstelle vorgetrieben.
Nean benutzte den Schild an verschiedenen Stellen gleichzeitig und hatte zu dem Zwecke nach
Abb. 363 einen senkrechten Schacht in der Themse niedergesenkt und ebenso später an
einigen Stationen. Von solchem Schachte aus trieb man den Tunnel nach beiden Seiten
hin vor.
Die Stationen wurden nachträglich in ausgezimmerten Ausschachtungen erbaut und
durch Ziegelmauerwerk ausgekleidet. Abb. 364 zeigt den Querschnitt einer Zwischenstatlon.
Infolge der gewählten verschiedenen Höhenlage der Gleise ist der Zugang beider Bahn; eige
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