Full text: Der Weltverkehr und seine Mittel

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Ncgnlierungsarbeiten an dem Tyne und der Seine. 
Es sind alsdann die Absperrungen der Spaltungen in Angriff zu nehmen, um diese 
so rasch wie möglich zu beseitigen, weil sie den nachteiligsten Einfluß auf die Entwicke 
lung der Flutwelle ausüben. Mit der Absperrung der Nebenarme hat dann die Er 
weiterung der Hauptarme Hand in Hand zu gehen, damit durch die Hauptarme eine 
kräftige Flut und Ebbe stattfindet und so die Stromkraft vermehrt wird. Nach Ab 
sperrung der schädlichen Nebenarme werden die zur Ausbildung und Vertiefung des 
Niedrigwasserbettes dienenden Leitdämme ausgeführt, durch deren Fertigstellung wird 
die Stromkraft so vergrößert, daß eine Menge Sinkstoffe aufgewühlt und fortbewegt und 
in den alten Armen und zwischen den Leitdämmen und den Hochwafferufern abgelagert 
wird. Zur Beschleunigung der Korrektion müssen, wie schon oben bemerkt, Bagger in 
Thätigkeit treten, namentlich auch an den Stellen, wo feste Bodenarten durch die Strom 
kraft allein nicht abgetrieben werden; unter Umständen genügt es auch, den Boden nur 
aufzulockern, ohne ihn zu heben, und ihn dann der Strömung zu überlassen. Bei der 
Unterweserkorrektion waren von 55 Millionen cbm 31 Millionen als durch Baggerung 
und Grabung und 24 Millionen als durch die Ebbe- und Flutströmung zu beseitigen 
angenommen. 
Welche gewaltige Erfolge durch Stromkorrektionen im Flutgebiet erreicht werden 
können und erreicht worden sind, mögen außer der schon erwähnten Clyde nachstehende 
Beispiele zeigen. 
Der in die Nordsee mündende Tyne, an der Grenze von England und Schottland, 
hatte, als im Jahre 1843 mit systematischen Baggerungen zu seiner Regulierung begonnen 
wurde, unterhalb Newcastle, des jetzigen Hauptkohlenhafens von England, beim Niedrig 
wasser der Springflut nur 0,6 m und bei Hochwasser 4,4 m Fahrwassertiefe. Bis zum 
Jahre 1860 waren durch die nur in geringem Umfange betriebenen Baggerungen rnnd 
1 % Millionen cbm gefördert worden. Im Jahre 1856 begann man an der Mündung 
mit dem Bau von 2 Hafendämmen, um das Fahrwasser über der dort vorhandenen Barre 
zu verbessern. Durch die Baggerungen und Regulierungsarbeiteu wurde eine Verbesserung 
der Flußrinne erreicht, doch betrug im Jahre 1860 die Tiefe des Fahrwassers über der 
Barre beim Niedrigwasser der Springflut nur 1,8 m, und Schiffe von 4,6 m Tiefgang 
konnten nur bei hoher Springflut bis Newcastle vordringen. Vom Jahre 1861 ab 
wurden die Baggerungen energischer betrieben, und bis zum Jahre 1890 waren rund 
45000000 cbm aus dein Fluß gebaggert und in die See geschüttet worden. Durch diese 
Baggerungen wurde das Fahrwasser auf der Barre von 1,8 m auf 6,o m bei Niedrig 
wasser der Springflut vertieft und eine Wasserstraße mit einer kleinsten Fahrwassertiefe 
von 6 m bei Niedrigwasser bis Newcastle geschaffen. Der Tyne ist aus einem ursprünglich 
unbedeutenden, für größere Schiffe unzugänglichen Fluß zu einer großen, für den Handels 
verkehr, namentlich für Kohlentransporte, wichtigen Wasserstraße geworden, die mit Schiffen 
bis zu 4000 t befahren werden kann. Die Tyne-Häfen nehmen jetzt in Bezug auf den 
jährlichen Gesamttonnengehalt der hier anlaufenden Schiffe unter den britischen Häfen 
nach London und Liverpool den ersten Rang ein. 
Die Seine. Das Flutgebiet der Seine erstreckt sich von Havre 150 km land 
einwärts, noch 19 km oberhalb von Rouen. Zwischen Havre und Rouen hatte die Schiff 
fahrt vor den im Jahre 1846 begonnenen Korrektionsarbeiten mit vielen Schwierigkeiten 
zu kämpfen, da sich das Fahrwasser auf der unteren breiten Strecke von La Mailleraye 
bis zur Mündung oft verlegte und zahlreiche Untiefen von nicht mehr als 0,5 m unter 
Niedrigwasser vorhanden waren*). Außerdem hatte die Schiffahrt auf dem stark ge 
wundenen Lauf noch mit einem anderen gefährlichen Feind zu kämpfen, mit dem Bore 
oder Mascaret; es war dies eine nahezu senkrechte Welle von 1 bis 1V2 m Höhe, welche 
bei gewissen Fluten besonders heftig auftrat, sich mit großer Geschwindigkeit stromaufwärts 
bewegte und namentlich auf Strecken, wo sie auf Hindernisse traf und über geringer Tiefe 
fortrollte, ihre verderblichen Wirkungen äußerte, während sie in tieferem Wasser sich in 
*) Ein beträchtliches Schiffahrtshindernis bildete auch eine bei La Mailleraye das Flußbett 
durchziehende feste, ans Thon und groben Geschieben bestehende Bank (banc des Meules).
	        
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