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Schiffahrtskanäle.
Dieses von der Firma Haniel & Lneg in Düsseldorf (Oberingenieur Gerdau) kon
struierte und ausgeführte Hebewerk hat die nachstehende Anordung: Die eigentliche Schleuse
besteht aus einem Wassertroge von 70 in Länge, 8,6 in Breite und 2,6 m Wassertiefe,
der in einer ebensolange!! Brücke hängt. Letztere wird von fünf Schwimmern getragen, die
in ebensoviel mit Wasser gefüllten Schächten auf- und absteigen können. Die Schwimmer
tauchen vollständig in das Wasser ein, und ihr Austrieb ist der von ihnen zu tragenden
Last (Trog, Brücke u. s. w.) genau gleich. Austrieb und Last befinden sich also innerhalb der
Schleusenhubhöhe in jeder Höhenlage im Gleichgewichte. Ein geringes Über- oder Unter
gewicht bewirkt eine aus- oder absteigende Bewegung der Schwimmer, der Brücke und des
von ihnen getragenen Troges. Wird z. B. dem Troge etwas Wasser zugeführt, so sinkt er
hinab, wird dem Troge Wasser entnommen, so steigt er hinauf.
Das Über- oder Untergewicht an Wasser im Troge wird dadurch hergestellt, daß man
den Trog an die obere Haltung etwas zu tief anfährt, so daß aus derselben Wasser in den
Trog einlaufen kann, an der unteren Haltung aber zu hoch anfährt, so daß Wasser aus dem
Troge abläuft. Durch diese einfache, durch Schraubenführung leicht ausführbare Betriebs
weise ist eine Bewegung der Trogschlense ohne großen äußeren Kraftaufwand möglich.
Der Trog ist an jedem Ende durch ein senkrecht bewegliches Thor abgeschlossen, welches
sich mit einer Gummidichtung auf Leisten am Trogende auflegt. Ebenso sind die Enden der
oberen und unteren Haltung abgesperrt. Befindet sich der Trog vor einer Haltung, und soll
ein Schiff aus- oder einfahren, so werden beide Thore gleichzeitig gehoben. Dabei muß das
Trogende so dicht an die Haltung anschließen, daß kein Wasser entweichen kann. Dies wird
durch eine außerhalb der Thordichtnngsleisten gelegene keilförmige Dichtungsfläche bewirkt,
gegen welche sich das Trogende mit schrägem Rande anpreßt.
Zur Regelung der Bewegung des Troges, zur Erhaltung seiner wagerechten Lage und
zum Schutze des Hebewerkes dienen vier, zu einem Getriebe vereinigte 24,6 m lange,
0,28 starke Schraubenspindeln, die an einem Führungsgerüste angebracht und deren Muttern
mit der Trogbrücke verbunden sind. Durch eine Antriebsmaschine mit Übertragungswellen
können die Schraubenspindeln in gleichmäßige Umdrehung versetzt werden. Für,, gewöhnlich
haben die Schraubenspindeln nur den Zweck der sicheren Führung des durch Über- oder
Untergewicht an Wasser bewegten Troges. Es kaun aber Vorkommen, daß der Trog undicht
wird, sein Übergewicht verliert oder sogar leer läuft, oder daß mehrere Schwimmer volllausen,
die gewöhnliche Art der Trogbewegung also vorübergehend unmöglich wird. Deshalb ist die
Antriebsmaschine so stark, daß sie den Trog bei dem Fehlen von Über- oder Untergewicht selbst
bewegen kann. Ferner sind die Schranbenspindeln so stark bemessen und so sicher gelagert,
daß selbst bei einem vollständigen Leerlaufen des Troges der ganze Auftrieb der Schwimmer
von ihnen ebenso sicher aufgenommen werden kann, wie bei einem Volllaufen mehrerer
Schwimmer die entstehende Überlast. Der Antrieb der vier Schraubenspindeln, der Spille und
der übrigen Bewegungsvorrichtungen des Hebewerkes, Schützen u. s. w. erfolgt durch elektrische
Kraft, welche in einer Primärstation von etwa 220 Pferdestärken erzeugt wird.
Erwähnenswert ist noch ein vom Bauinspektor a. D. Meyer herrührender Vor
schlag der Förderung von Kanalschiffen zwischen zwei Kanalstrecken mit erheblichem
Höhenunterschiede auf einer mit Lokomotiven zu befahrenden, flach geneigten Eisenbahn,
und zwar entweder schwimmend in Schleusenkammern oder unmittelbar auf Unterlagen
(hydraulischen Pressen). In letzterer Weise war die Schiffseisenbahn von Tehuantepec
geplant, welche die Landenge von Mexiko überschreiten sollte und 215 km Länge er
halten haben würde. Ausgeführt ist eine derartige Anlage noch nicht.
Nach dem jetzigen Stande der technischen Wissenschaft kann man annehmen, daß
Kammerschleusen bis zu 6 in, Schachtschlensen bis zu 10 m, lotrechte Hebewerke bis zn
20 in Gefälle und darüber hinaus nur schiefe Ebenen angewandt werden können. Von
Hebewerken wird man im allgemeinen nur dann Gebrauch machen, wenn die Forderung
einer möglichst weitgehenden Wasserersparung zu erfüllen ist. Die Konstruktion der
Schiffseisenbahnen kann nicht als abgeschlossen betrachtet werden.
Zusammenstellung der geneigten Ebenen und ausgeführten Hebewerke.
I. Geneigte Ebenen.
Schiffslänge
Schiffsbreite
Tragfähigkeit
der Schiffe
Hubhöhe
m
m
t
m
Morris-Kanal in Nordamerika . .
24
3,2
70
bis 30,o
Elbing-Oberländer Kanal ....
24,5
3
50—70
rr 25,5
Moiiklaud-Kanal in Schottland . .
21,34
4,36
70-80
„ 29,3
Chesapcake-Ohio-Kanal in Nordamerika
27,4
4,39
135
„ 11-7
Biwaseekanal in Japan
—
~
—
„ 35,0