Seekanäle.
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werden, ist die Straßenbrücke für gewöhnlich geschlossen und wird erst bei Annäherung
eines Schiffes ausgedreht.
Die wichtigsten Bauwerke am Kanal sind die Schleusen an den beiden Mündungen.
Jede Schleuse besteht aus zwei, durch eine 12,5 m starke Mittelmauer getrennten Kammern
von 25 in lichter Weite und 150 in nutzbarer Länge, von denen die eine für die Ein
fahrt, die andere für die Ausfahrt dient. Die Bauwerke in Holtenau und Brunsbüttel sind,
abgesehen von geringen Abweichungen, ganz gleich angeordnet; der Hauptunterschied ist,
daß die Schleuse an der Elbe wegen der dort vorkommenden höheren Wasserstände höhere
Abschlußvorrichtungen als die Schleuse in Holtenau erhalten mußte. Die Ausführung
beider unterschied sich dadurch, daß die Schleuse in Holtenau, trotz der Nähe der Ostsee
nach Absenken tiefer Brunnen, durch die mittels kräftiger Pumpen der Wasserstand ge
senkt werden konnte, ganz im Trocknen ausgeführt werden konnte, was in Brunsbüttel lvegen
zu großen Wasserandranges nicht gelang; dort mußte die Baugrube bis zu einer Tiefe
von 15 in unter der Bodenoberfläche durch einen über den Elbdeich herübergeschafften
Eimerkettenbagger ausgebaggert und das 4 in hohe Betonbett durch Versenken des
Betons unter Wasser hergestellt werden. Erst dann war die Trockenlegung der Baustelle
502. Einschnitt Im Griinenthnl mit Hochbrücke.
und die Aufführung des Mauerwerks möglich. Jede Schleuse enthält im Außen- und
Binnenhaupt die Flut- und Ebbethore, um die hohen Außenwasserstände vom Kanal ab
zuhalten und ein zu tiefes Abfallen des Wasserspiegels im Kanal bei Ebbe zu verhindern,
und im Mittelhaupt die sogenannten Sperrthore, die ermöglichen, bei ein- oder aus
gehendem Strom den Wasserdurchfluß abzusperren, um dann die Flut- oder Ebbethore
schließen zu können. Jede Kammer hat 6 Thorpaare, bestehend aus je 2 Flügeln, jede
Schleuse somit im ganzen 24 eiserne Thorflügel. Zum Trockenlegen der Schleusen bei
einer etwaigen notwendigen Ausbesserung an den Thoren können dieselben durch Abschluß
pontons, die sich in Falze au den Häuptern wasserdicht anlegen, abgeschlossen werden.
Bewegt werden die Thore, sowie die zum Verholen der Schiffe dienenden Spills und
die zum Füllen und Leeren der Kammern dienenden Schützen in den Umläufen, durch
Druckwasser von 55 Atmosphären Pressung, das in der nahe gelegenen Maschinenstation
erzeugt wird. In den Schleusenmauern sind Maschinenkammern für die Maschinen zum
Bewegen der Thore angelegt, welche elektrisch beleuchtet und im Winter mit Dampf ge
heizt werden. Für die Schleuse in Brunsbüttel tvaren erforderlich 70 000 cbm Beton,
79 000 cbm Mauerwerk und 5000 cbm Werksteine aus bayerischem Granit. Von
demselben Umfang waren ungefähr die in Holtenau verwendeten Massen.
An jede der Schleusen schließt sich ein geräumiger Binnenhafen und ein Außen
hafen, welch letzterer sich in Holtenau zwischen Ufermauern nach dem Kieler Hafen, in
Brunsbüttel zwischen Molen nach der Elbe erweitert.