Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

564  Schiffahrtszeichen.

Die  parabolischen  Spiegel,  deren  Erfinder  unbekannt  ist,  wurden  gegen
Ende  des  18.  Jahrhunderts  in  England  und  Frankreich  auf  den  Leuchttürmen  eingeführt. ­
  Am  meisten  im  Gebrauch  waren  und  sind  teilweise  noch  versilberte  Kupferspiegel. ­
  Diese  Spiegel  kommen  aber  immer  mehr  in  Abgang,  da  sie  den  Nachteil  haben,
einen  großen  Teil  des  Lichtes  zu  verschlucken,  teils  wegen  der  Unvollkommenheit  der
Form,  da  die  genaue  mathematische  Form  sich  bei  den  von  Hand  herzustellenden
Spiegeln  nicht  erreichen  läßt  und  die  Abweichungen  von  derselben  sich  mit  der  Zeit
durch  das  Putzen  und  durch  Beschädigungen  noch  vergrößern,  teils  wegen  der  wirklichen
Aufsaugung  der  Lichtstrahlen,  die  mit  der  mangelhaften  Politur  und  mit  der  Oxydation
des  Metalls  zunimmt.
Statt  dieser  parabolischen  Spiegel,  genannt  katoptische  Apparate,  sind  jetzt  fast  ausschließlich ­
  die  aus  Glaslinsen  und  Prismen  bestehenden  dioptrischen  und  katadioptrischen
  Beleuchtungsapparate  in  Anwendung.  Durch  die  Einführung  der
ums  Jahr  1821  von  Augustin  Fresnel  erfundenen  Linsenvorrichtungen  ist  in  der  Küstenbeleuchtung ­
  ein  größerer  Fortschritt  gemacht  worden,  als  durch  jede  andere  Verbesserung.
Die  von  einem  dünneren  Mittel,  z.  B.  Luft,  in  ein  dichteres  Mittel,  z.  B.  Glas,  übergehenden ­
  Lichtstrahlen  werden,  wenn  sie  die  Oberfläche  schief  treffen,  gebrochen,  gehen
innerhalb  des  Glases  in  gerader  Richtung  weiter  und  werden  beim  Verlassen  desselben

wieder  abgelenkt.  Die  in  der  Abb.  548  dargestellte,  vor  der  Lichtquelle  L  befindliche
plankonvexe  Linse  bietet  daher  ein  Mittel,  ebenso  wie  ein  hinter  der  Lichtquelle  aufgestellter ­
  parabolischer  Spiegel  (Abb.  549)  die  Strahlen  der  Lichtquelle  zu  einem  parallelen
Strahlenbüudel  zu  sammeln.  Da  große  Linsen  schwierig  herzustellen  wären  und  auch  sehr
viel  Licht  beim  Durchgang  durch  die  dicke  Glasmasse  verzehrt  würde,  so  zerlegte  Fresnel
nach  den  Vorschlägen  früherer  Forscher  den  erforderlichen  Glaskörper  in  eine  Linse  von
höchstens  25  cm  Durchmesser  und  in  einzelne  die  Linse  umgebende  Ringe  von  solchen
Abmessungen,  daß  ihre  Brennpunkte  mit  dem  Brennpunkt  der  Linse  zusammenfallen.  Eine
solche  ringförmige,  aus  mehreren  von  einander  unabhängigen  und  zusammengesetzten
Stücken  bestehende  polyzonale  (vielgürtelige)  Linse  wirkt  wie  eine  Sammellinse  von  dem
Durchmesser  des  größten  Ringes,  enthält  aber  bedeutend  weniger  Glasmasse  und  kann
beliebig  vergrößert  werden.  Da  aber  die  oben  und  unten  über  die  Linse  hinausgehenden
Strahlen  bei  diesen  dioptrischen  Apparaten  noch  verloren  gehen  würden,  so  hat  man  diese
Strahlen  durch  Metallspiegel  aufgefangen  und  nach  außen  geworfen.  Eine  weitere  Verbesserung ­
  dieser  katadioptrischen  Apparate  ivurde  im  Jahre  1842  von  Leonard  Fresnel
dadurch  herbeigeführt,  daß  er  diese  Metallspiegel  durch  Glasprismen  ersetzte,  welche
das  Licht  zuerst  brechen  und  dann  zurückwerfen.  Diese  als  Spiegel  wirkenden  Glasprismen ­
  haben  den  großen  Vorzug  vor  den  Metallspiegeln,  daß  sie,  reine  Glasmasse
und  reine  Oberfläche  vorausgesetzt,  bedeutend  weniger  Licht  verschlucken  als  die  Metallspiegel. ­
  Ein  solcher  katadioptrischer  Beleuchtungsapparat,  Bienenkorb  genannt,  ist
sowohl  in  seinem  ganzen  Aufbau,  wie  in  seinen  einzelnen  Teilen  nach  mathematischen
Regeln  geordnet  und  besteht  aus  einem  eisernen  Gerüste,  auf  dem  die  einzelnen  Glasteile ­
  aufgesetzt  und  mit  durchsichtigem  Kanadabalsam  zusammengekittet  sind.  Die  Auf-
            
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