568 Schiffahrtszeichen.
Hörsignale. Ein noch gefährlicherer Feind für die Schiffahrt als die Nacht ist
der Nebels da dieser nicht nur bei Nacht die stärksten Feuer so verdunkelt, daß sie selbst
auf geringe Entfernung unsichtbar werden, sondern auch bei Tage die Küste und andere
Schiffe mit einem undurchsichtigen Schleier umhüllt. Da sich das Licht im Kampf gegen
diesen Feind als unwirksam erwiesen hak, so hat man schon frühzeitig zum Bruder des
Lichtes, zum Ton seine Zuflucht genommen, dieser hat sich insofern als besonders geeignet
erwiesen, als der Nebel, der meist bei ruhigem Wetter eintritt, den Schall vortrefflich
leitet, weil auf große Ausdehnung eine gleichmäßige Luftbeschaffenheit herrscht, die keine
Brechung der Schallwellen durch ungleichartige Luftströmungen veranlaßt. Die ein
fachsten Instrumente, aber auch nur auf geringe Entfernung hörbar, sind die von Men
schen geblasenen Hörner und die Gongs; weiter hörbar (bis auf 3 lern Entfernung) sind
die Glocken, noch kräftiger als diese wirken Geschütze. Die Schüsse können aber nicht
rasch genug aufeinander abgegeben werden, da die Bedienungsmannschaft in der Regel
nur aus einem Mann besteht; anderenfalls erfordern die Warnungszeichen durch Kanonen
schüsse viele Bedienungsmannschaften und viel Schießbedarf und sind dadurch teuer und
dabei doch noch von unsicherer Wirkung, weil der Ton kurz ist und durch einen
einzelnen Windstoß erdrückt und bei Sturm und Toben der See überhört werden
kann. Kanonenschüsse würden deshalb auch nicht mehr in Gebrauch sein, wenn sie
nicht die günstige Eigenschaft hätten, daß durch die Explosion die Nebelwolken
plötzlich zerrissen werden und der Lichtblitz dadurch dem Seemann die Lage der
Station anzeigt, auch wenn der Schuß nicht gehört wird. Als Knallzeichen ist
gegenwärtig hauptsächlich die Schießbaumwolle im Gebrauch in Form von Patronen
von 100 § Gewicht, die durch Zündschnur und Zündhütchen von Knallquecksilber
zur Explosion gebracht werden. Am meisten werden gegenwärtig zur Ausführung
von hörbaren Warnungszeichen die Nebelhörner, Dampfpfeifen und Sirenen benutzt.
Das Nebelhorn, Anfang der 50er Jahre von dem Amerikaner Datoll erfunden
und von Holmes verbessert, besteht aus einem 2 — 3 in langen, geraden kupfernen
Rohr, das nach oben nach einem Viertelkreis wagerecht gebogen ist und ein klarinetten
artiges Mundstück besitzt. Es wird mit gepreßter Luft von 1 bis 2 Atmosphären
Spannung zum Tönen gebracht. Die Dampfpseifen, ähnlich angeordnet wie die
Pfeifen der Lokomotiven und der Dampfschiffe, werden durch Dampf von etwa
4 Atmosphären Spannung betrieben und sind bis auf nahezu 5 km hörbar; sie sind
namentlich in Amerika verbreitet.