Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Einleitung:  Entwickelung  des  Verkehrswesens.
Schmalheit  der  Straßen.allerdings  eine  Notwendigkeit  gewesen  sein  mag,  mußte  naturgemäß ­
  die  Wohnungsnot  sehr  gesteigert  werden,  da  die  Ausbreitungsfähigkeit  der  Städte
unter  dem  unentwickelten  Verkehrsivesen  sehr  leiden  mußte.  Wir  wissen  denn  auch,  daß
die  Wohnungsnot  in  manchen  antiken  Großstädten  zu  ebenso  schlimmen,  wenn  nicht  noch
schlechteren  Verhältnissen  geführt  hat,  als  in  der  Jetztzeit.
In  den  antiken  Städten,  und  so  auch  in  denen  des  Römerreiches,  dienten  zum
Personentransport  die  Sänften.  Nur  einzelnen  hervorragenden  Personen  und  Priesterinnen
  toar  die  Benutzung  von  Wagen  gestattet.
Aus  der  Zeit  des  Mittelalters  liegen  einige  bemerkenswerte  Mitteilungen  über  die
Abwickelung  des  Personenverkehrs  in  den  chinesischen  Städten  vor.  In  den  hochinteressanten ­
  Nachrichten  des  kühnen  venezianischen  Reisenden  Marco  Polo  über  die
Stadt  Quinsai  (jetzt  Hang-tschou)  ist  eine  Beschreibung  des  Fährverkehrs  daselbst  enthalten. ­
  Die  Hauptstraße  der  genannten  Stadt  reichte  von  einem  Ende  zum  anderen.
Sie  war  auf  jeder  Seite  zehn  Schritte  breit,  mit  Kieseln  und  Backsteinen  gepflastert,
während  der  zwischenliegende  Teil  mit  Sand  bedeckt  und  mit  gewölbten  Rinnen  versehen
war,  um  das  Regenwasser  in  die  benachbarten  Kanäle  zu  führen,  damit  die  Straße  immer
trocken  blieb.  Auf  dem  Sandstreisen  fuhren  beständig  Wagen  auf  und  ab.  Dieselben
lvaren  lang  und  bedeckt  und  konnten  sechs  Personen  aufnehmen.  Die  Vorhänge  und
Kissen  waren  aus  Seide  angefertigt.  Männer  und  Frauen,  die  eine  Luftfahrt  machen
wollten,  mieteten  die  Wagen,  von  denen  man  eine  große  Anzahl  dahinfahren  sah.
In  den  europäischen  Städten  kamen  in  dem  späteren  Mittelalter  für  den  Personentranspvrt
  wiederum  Sänften  zur  Verwendung.  Adelige  und  besonders  vornehme  Damen
wurden  mittels  derselben  zu  Hof,  zu  Bällen  und  ins  Theater  getragen.  Fast  das  ganze
Mittelalter  hindurch  uud  vielfach  auch  darüber  hinaus  ließen  die  Straßenverhältnisse
sehr  viel  zu  wünschen  übrig.  Erst  ganz  allmählich  kam  die  Pflasterung  der  Straßen
zur  Durchführung.  Selbst  Städte  wie  Paris  und  London  wiesen  in  dieser  Beziehung
sehr  schlechte  Zustände  auf.  So  mußten  beispielsweise  in  London  noch  um  das  Jahr
1350,  wenn  der  König  nach  dem  Parlament  fahren  wollte,  in  die  von  den  Wagen  eingefahrenen ­
  Geleise  der  Kingstreet  Reisigbündel  geworfen  werden,  damit  der  königliche  Zug
überhaupt  sein  Ziel  erreichen  konnte.  Paris  hat  das  erste  Straßenpflaster  im  Jahre
1184  unter  Philipp  II.  erhalten.
Während  die  Sänften  früher  von  Frauen  und  schwächlichen  Personen  auch  auf
weiteren  Strecken  benutzt  worden  waren,  wurden  sie,  als  man  bequeme  Reisewagen  bauen
lernte,  von  den  Landstraßen  verdrängt.  In  den  Städten  war  bis  zum  19.  Jahrhundert
die  Beförderung  von  Personen  mittels  Sänften  sehr  allgemein.  In  London  und  Paris
standen  auf  den  Plätzen  numerierte  Uaoünsx-vbairo  und  Uorts-ollaisss.  In  Frankfurt ­
  a.  M.  wurden  im  Jahre  1709  die  Stadttragstühle  eingeführt.  Auch  in  Mainz
waren  derartige  Tragstühle  sehr  stark  im  Gebrauche.  In  letzterer  Stadt  betrug  beispielsweise ­
  der  Tragelohn  nach  einem  Orte  außerhalb  der  Stadt  oder  nach  Castel  (auf
der  anderen  Rheinseite)  24  Kreuzer.
Im  18.  Jahrhundert  wurden  zur  Bequemlichkeit  des  Publikums  in  Wien  und  in
anderen  vornehmen  Städten  Chaisen  oder  Fiaker  an  bestimmten  Stellen  für  die  allgemeine ­
  Benutzung  aufgestellt.  In  Paris  war  dieses  Beförderungsmittel  bereits  zur  Zeit
Ludwigs  XIV.  (1643—1715)  zur  Einführung  gekommen.  Berlin  erhielt  1739  die
erste  öffentliche  Fahrgelegenheit.  Bis  dahin  war  man  daselbst  mit  Sänften  ausgekommen.
Die  ersten  fünfzehn  Wagen  ließ  der  König  auf  seine  Kosten  bauen  und  verschenkte  sie
an  eine  Gesellschaft  von  Fuhrleuten.  Die  Wagen  hießen  bis  zum  Jahre  1814  Fiaker.
Dieselben  waren  olivfarben  gestrichen  und  trugen  hinten  eine  weiße  Nummer.  Innen
tvaren  die  Wagen  mit  grauem  Tuche  ausgeschlagen;  sie  besaßen  ein  schwarzledernes
Verdeck.  Die  Kutscher  trugen  Dreimaster  und  lange  Schoßröcke.  Die  Taxe  für  die
einfache  Tour  betrug  vier  Groschen.  Die  Wagen  waren  von  morgens  6  resp.  7  bis
abends  10  Uhr  in  Dienst.
Einen  vollständig  anderen  Charakter  nahm  der  städtische  Verkehr  durch  die  Einführung ­
  von  Omnibussen  an.  Der  erste  Omnibus  fuhr  im  Jahre  1819  durch  die
            
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