Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

710  Schiffbau.
stück  durch  schmiedeeiserne  Coils,  alle  Teile  warm  aufgezogen,  verstärkt  wurde.  Die
Coils  wurden  aus  schmiedeeisernen  Barren  von  trapezförmigem  Querschnitt  erzeugt,
welche  mit  der  schmalen  Seite  in  warmem  Zustande  über  einen  Dorn  spiralförmig  ausgewickelt ­
  und  dann  zu  einem  Hohlcylinder  zusammengeschweißt  wurden.  Die  Faser  der
Barren  war  dementsprechend  zur  Aufnahme  des  inneren  Drucks  in  tangentialer  Richtung
gelagert.  Um  die  Herstellungskosten  zu  vermindern,  wurden  dann  die  Rohre  nach  Frasers
Vorschlag  hergestellt,  das  Hinterstück  auch  nach  dem  Coil-Prinzip,  jedoch  entsprechend
der  größeren  Stärke  aus  zwei-  bezw.  dreifach  übereinander  gerollten  Coils  und  die  ^,-Röhre
entweder  nur  durch  das  Hinterstück  und  das'  L-Rohr  oder  noch  durch  einen  stärkeren
Coil  verstärkt.

780.  Geschützrohre.  Nach  „Engineering".
a  34cm  Canet,  b  Woolwich,  c  34cm  de  Bange,  d  Armstrong,  e  40cm  Krupp,  f  34cm  franz.  Schtffskanone  1881.

In  Preußen  ging  Friedrich  Krupp  mit  dem  Bau  von  gezogenen  Hinterladern  aus
Tiegelstahl  vor.  Sie  bestanden  aus  stählernen  Kernrohren  mit  stählernen  Ringen  und
feuerten  Geschosse  mit  Pressionsführung.  Als  Verschluß  diente  anfänglich  der  Kolbenverschluß. ­
  Die  Kruppschen  Geschütze  erreichten  im  besonderen  infolge  des  vorzüglichen
Tiegelstahls  sehr  balb  eine  solche  Überlegenheit  gegenüber  den  Fabrikaten  anderer  Nationen,
daß  Krupp  eine  Zeitlang  ohne  Nebenbuhler  dastand.  Die  Engländer  sowohl  als  die
Franzosen  kauften  in  den  6Oer  Jahren  einige  Rohre  zu  Versuchen  an,  und  diese  wurden
den  schärfsten  Prüfungen  unterworfen,  ohne  daß  das  Material  Schäden  und  Risse  zeigte.
Whitworth  in  England  steigerte  dann  den  Wettbewerb  zur  Herstellung  dauerhafter  und
solider  Geschützrohre  mit  Stahlrohren  aus  flüssigem  komprimierten  Stahl.  Auch  trat  schon
im  Jahre  I860  Longridge  mit  seinen  Versuchen  mit  Rohren  hervor,  welche  durch  eine
Drahtnmwickelnng  verstärkt  waren  und  welche  erst  in  dem  letzten  Jahrzehnt  zum  Bau
der  modernen  englischen  Schnellfeuergeschütze  geführt  haben.
            
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