Marine-Artillerie: Munition und Geschosse.
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Die schwereren Schnellfeuerkanonen von 8,8 cm bis 20 cm Kaliber besitzen eine
Feuergeschwindigkeit von 15 bis 4 Schuß pro Minute. Als Lafette wird allgemein die
Wiegelafette benutzt, um das Ziel stets im Auge behalten zu können. Das Nehmen der
Höhen- und Seitenrichtung erfolgt bei den leichteren Kalibern bis 4,7 cm mittels des
Schulterstücks, bei den mittleren 8,8 cm bis 15 cm mittels Schneckenradgetriebe, und in
letzterem Fall bewegt sich der Geschützführer, auf einem Sattel reitend, mit der Lafette.
Die Munition der Schiffsgeschütze umfaßt die Geschützladungen und die Geschosse.
Die Ladungen bestehen aus Kartuschen, Beutel aus Seidentuch, welche mit dem Treib
mittel der Geschosse — Pulver, Cordite, Ballistit u.s. w. — gefüllt sind. Für die schweren
Kaliber verwendet man zwei Kartuschen, sogenannte Halbkartuschen, die hintereinander
eingeführt werden. Der Boden der Kartuschen ist mit Stramin ausgelegt und erhält in
74?. Kanonrnnkerkstatt. Eiiischittidrn von Ingen.
der Mitte ein Loch zum Durchschlagen der Zündnadel. Neuerdings verwendet man all
gemein Mctallhülsen, welche bei den Schnellfeuerkanonen entweder mit dem Geschoß zur
Eiuheitspatrone vereinigt werden oder bei getrennter Ladung mit einer Deckplatte ab
geschlossen werden.
Die Geschosse unterscheidet man nach ihrer Form in Rund- und Langgeschosse,
nach der Ausführung in Voll- und Hohlgeschosse. Hohlgeschosse mit Sprengladung nennt
man Granaten oder bei glatten Mörsern Bomben, solche mit einer größeren Zahl von
Kugeln ans Hartblei, mit Harz vergossen und geringer Sprengladung versehen, Shrapnels.
Die Sprengladung wird entweder am Geschoßboden, in der Mitte oder am Kopf ange
bracht und dient dazu, die Geschoßwandung zu zertrümmern. Besteht die Geschvßhülle
aus Blech, so daß sie schon im Rohr durch den Gasdruck zertrümmert wird, so nennt
man das Geschoß eine Kartätsche. Shrapnels und Kartätschen, sogenannte Streugeschosse,
finden nur gegen lebende Ziele Verwendung.
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