Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

726  Schiffbau.
Rotglühhitze  des  Eisens  sich  der  Oberfläche  des  letzteren  mitteilt  und  die  Zusammenschweißung
  beider  Metalle  ohne  äußeren  Druck  herbeiführt.  In  ähnlicher  Weise  begann
die  Sheffielder  Konkurrenzfirma  John  Brown  L  Co.  die  Herstellung  von  Componndpanzern
  nach  dem  Patent  Ellis.  Ellis  erzeugt  eine  Grundplatte  von  Schmiedeeisen  und
eine  Deckplatte  von  weichem  Stahl  und  geringerer  Dicke.  Beide  Platten  werden,  ans
Rotglut  erhitzt,  in  eine  gußeiserne  Gußgrnbe  derart  eingebracht,  daß  zwischen  beiden
Platten  ein  Spielraum  von  etwa  125  mm  verbleibt.  In  diesen  Spielraum  wird  nun
flüssiger  Stahl  gegossen  und  nach  dem  Erkalten  auf  Rotglut  wird  dann  die  ganze  Masse
herausgenommen  und  unter  der  Walze  bearbeitet.
Die  Cvmpoundplatten  entsprachen  den  gehegten  Erwartungen  vollkommen  und
wiesen  nach  der  Beschießung  auch  mit  großen  Kalibern  keine  oder  nur  unbedeutende
Risse  durch  die  ganze  Platte  hindurch  auf.  Die  englische  Admiralität  führte  daher  den
Componndpanzer  sehr  bald  allgemein  ein.  In  der  deutschen  Marine  fand  derselbe

749.
zuerst  bei  dem  Panzerschiff  „Oldenburg"  Verwendung,  und  waren  die  Compoundplatten
von  der  Dillinger  Hütte  nach  dem  Patent  Ellis  hergestellt.
Schneider  in  Creuzot  blieb  jedoch  seinem  System,  dem  reinen  Stahlpanzer,  treu
und  konnte  durch  Verbesserung  seiner  Fabrikationsmethoden  sehr  bald  den  Kampf  mit
Compoundplatten  aufnehmen.  Auch  dieses  Mal  war  es  wiederum  die  italienische  Regierung, ­
  welche  auf  dem  Schießplatz  zu  Mnggiano  Bergleichsversuche  zwischen  Stahl-  und
Compoundpanzer  veranstaltete.  Es  trat  eine  Stahlplatte  von  Schneider  mit  je  einer
Compoundplatte  von  Cammel  und  Brown  in  Wettbewerb.  Alle  Platten  waren  480  mm
dick  und  besaßen  eine  Länge  von  3,3  m  bei  2,62  m  Höhe.  Die  Platten  wurden  von
einem  100  Tonnen-Armstrongvorderlader  beschossen,  dessen  Geschosse  im  Durchschnitt
900  kg  wogen.  Während  die  Compoundplatten  durch  den  zweiten  Schuß  vollkommen
zerstört  wurden,  zeigte  die  Stahlplatte  von  Schneider  nur  fünf  bis  sechs  unbedeutende
Risse  und  ging  erst  durch  den  vierten  Schuß  zu  Bruch.  —  Zur  Herstellung  der  stählernen
Panzerplatten  verwendet  Schneider  Siemens-Martin-Stahl.  Das  Gewicht  der  Jngots
im  Verhältnis  zur  fertigen  Platte  beträgt  1,8  zu  1.  Die  Stahlingots  werden  alsdann
in  Gasöfen  erhitzt  und  unter  einem  100  Tonnen  Dampfhammer  oder  unter  hydraulischen
            
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