56. Die Emission.
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Börse zu bringen, durch die Seltenheit des Materials eine Rursstei-
gerung hervorzurufen und dann zu dem erhöhten Rurs den Restbetrag
abzustoßen, ein Vorgehen, das in Zeiten heißer Spekulation sehr große
Schädigung mit sich gebracht hat.
Oie Hauptschwierigkeit der Emission liegt darin, ein starkes Paket
bestimmter Werte an wenigen Tagen unterzubringen. Bei großen
Emissionen können die hiefür nötigen Rapitalien nicht durch die Neu
einnahmen der letzten Tage allein aufgebracht werden; die Unterbrin
gung der Effekten kann, abgesehen von den gerade in diesen Tagen sich
ergebenden neuen Einnahmen, auf dreierlei Weise erfolgen,
durch Abhebung von Guthaben der Rapitalbesitzer bei der Bank,
durch verkauf anderer weniger tragender Effekten oder
durch Rauf mit Einschuß, wobei ein Teil des Wertes durch die Bank
belehnt wird.
Oie beiden ersten Zormen bedeuten verkauf „in die letzte Hand".
Zeitlich konzentrierte, zur Anlage verfügbare Neueinnahmen bringen
die Ruponzahlungstermine und darum sind diese für Emissionen be
sonders geeignet. Oer Effektenkauf durch Abhebung von Guthaben
vollzieht sich in den ersten Zähren der aufsteigenden Ronjunktur oder
nach Zeiten schwerer politischer oder wirtschaftlicher Rrisen, während
welcher große Beträge von Sparkapitalien den Banken als Einlage über
geben wurden. Oer Lffektentausch durch verkauf weniger tragender
Papiere schafft neuen Raum durch Rursdruck auf dem Gesamtmarkt,'
er charakterisiert Epochen sinkender Rentenkurse. Beim Rauf mit Ein
schuß endlich werden die Geldmarktmittel der Bank in den Oienst der
Emission gestellt. Oie Banken besitzen die Möglichkeit, durch billigen
Lffektenkredit, Bestimmung niedriger Reportsätze, die Emission zu er
leichtern. Oer Lffektenkredit muß nicht allein zur Spekulation gegeben
werden, er kann auch von jemand in Anspruch genommen werden, der
augenblicklich nicht Rapital zur Verfügung hat, es aber im Laufe der
nächsten Zeit zu erhalten hofft. Zn der überwiegenden Mehrzahl der Zälle
ist er aber Spekulationskredit. Eine bestimmte Quote der Effekten muß
immer schon der Marktbildung wegen an der Börse bleiben, darüber
hinaus aber wird noch ein größerer Betrag von der Börse in Zeiten auf
steigender Rurse aus spekulativen Gründen übernommen, bis sich ent
weder aus den Rreisen des Publikums heraus Spekulanten finden, die
der Börse die werte abnehmen, weil sie noch höhere Rurse erwarten,
oder bis die Unterbringung in die letzte Hand gelungen ist. Zst der größte
Teil des zu emittierenden Betrages von der Spekulation mit Hilfe von
Bankgeld übernommen, so ist die Emission nicht geglückt und die Aktie