fullscreen : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

Obst-  und  Beerenfrüchte  sowie  deren
Erzeugnisse.

A.  Weintrauben,  Obst-  und  Beerenfrüchte.
Die  Weintrauben  bezw.  das  Obst  und  Beerenobst  gelangen  wohl  nur  selten  als
solche  im  natürlichen  Zustande  zur  chemischen  Untersuchung;  man  untersucht  vielmehr ­
  meist  nur  den  ausgepreßten  Saft  bezw.  Most.
Sollen  indes  auch  die  natürlichen  Rohstoffe  untersucht  werden,  so  verfährt ­
  man:
1.  Bei  Weintrauben  (und  Beerenobst)  wie  folgt:
Die  Trauben  werden  einzeln  oder  auch  insgesamt  gewogen,  die  Beeren  vorsichtig ­
  abgepfliickt,  indem  man  sie  in  ein  darunter  stehendes  Gefäß  so  fallen  läßt,
daß  kein  Saft  verloren  geht.  Die  abgepflückten  Kämme  und  Beeren  werden  jede
für  sich  gewogen.
Die  Beeren  werden  zunächst  leicht  zerdrückt,  der  Saft  durch  ein  Flanelltuch
abgeseiht,  dann  die  rückständige  Masse  in  diesem  entsprechend  stark  ausgepreßt,
der  aus  Kernen  und  Schalen  bestehende  Preßrückstand  (Trester)  vollständig  vom
Preßtuch  entfernt  und  gewogen;  die  Menge  des  Saftes  ergibt  sich  aus  der  Differenz
zwischen  Gesamtgewicht  der  Beeren  und  des  Preßrückstandes.
Saft  und  Preßrückstand  werden  getrennt  für  sich,  wie  üblich,  untersucht
und  aus  der  Zusammensetzung  derselben,  sowie  aus  dem  Mengenverhältnis  beider
Anteile  nötigenfalls  die  prozentige  Zusammensetzung  der  ursprünglichen  Beeren
berechnet.
Zur  Wasserbestimmung  müssen  die  Preßrückstände  nach  S.  254  vorgetrocknet ­
  werden;  für  Saft  sind  die  für  Milch  bezw.  Eübensäfte  (S.  469  bezw.  610)
angegebenen  Vorsichtsmaßregeln  zu  berücksichtigen.  Zucker  und  Säure  im  Saft
werden  wie  unten  bei  Most  angegeben  bestimmt,  die  übrigen  Bestandteile  nach  den
unter  „Untersuchung  der  Futtermittel“  (S.  208—252)  beschriebenen  Verfahren.
2.  Obst  (Äpfel  und  Birnen).
Diese  werden  von  Stielen  befreit,  dann  gewogen,  tunlichst  dünn  abgeschält,
durchgeschnitten,  Kerne  und  Mark  herausgenommen  und  alle  3  Teile  zusammen
gewogen;  das  Fruchtfleisch  ergibt  sich  aus  der  Differenz.  Sollen  die  Abfälle
(Schale,  Kerne  usw.)  untersucht  werden,  so  werden  sie  nach  S.  254  vorgetrocknet,
gemahlen  und  so  der  Untersuchung  unterworfen.
Das  Fruchtfleisch  dagegen  wird  mit  der  Kartoffelreibe  fein  zerrieben  und
der  Brei  direkt  wie  bei  Eübenbrei  usw.  (S.  602  u.  ff.)  untersucht.  Die  Untersuchung ­
  muß,  besonders  die  auf  Zucker  und  Säure,  sehr  schnell  vorgenommen
werden,  weil  der  Obstbrei,  wie  Fruchtsäfte  überhaupt,  beim  Aufbewahren  unter
Luftzutritt  sich  sehr  rasch  zersetzen.
            
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