§ 2. Das Geldproblem und die Antinomie des Denkens. 29
wir zuweilen einen inneren Zwang, uns das Ende vorzu
stellen. Denn das Zirkulieren, das bloße Weitergegebenwer
den kann nicht letzter Zweck sein, es kann nicht bis in alle
Ewigkeit fortgehend gedacht werden. Einmal muß eine Ein
lösung kommen, eine Befriedigung. Ist doch alles Geld
(sicherlich aber Papiergeld) im Hinblick auf die Verwen
dungsart nur Anweisung auf andere Sachgüter, ein bloßes
Zeichen, eine Marke, nicht aber etwas, was uns durch sich
selbst befriedigt. Wir können uns nicht vorstellen, daß der
letzte Besitzer des Geldes auf ihm »sitzen bleiben« soll.
Ihm muß eine Einlösung werden, das scheint als logisches
Ende notwendig, jenseits aller juristischen Betrachtungen.
Und doch können wir grade wieder diese Vorstellung nicht
als befriedigend akzeptieren. Muß denn die wirtschaftliche
Welt je ein Ende haben? Soll der Staat, der für das Geld
wesen verantwortlich bleibt, nicht als ewig lebend gedacht
werden? Und solange Staat und Volkswirtschaft nicht er
schüttert sind, scheint auch ein zweckmäßiges Geldwesen
ohne jede Einlösung möglich. So lange genügt das Weiter
gegebenwerden des Geldes, die reine Funktion, um seine Gel
tung zu sichern. Reicht so das Verkehrsbedürfnis, reicht die
Steuerfundation nicht aus, um den Gedanken der endlichen
Einlösung gänzlich zu verbannen? Kann man so nicht doch
das Geld als ewig sich vorstellen? Aber der Staat ist eine
historische Erscheinung und er kann daher nicht als ewig
und unendlich gedacht werden. Und so kommen wir wieder
zur Vorstellung des Endes....
So scheint keiner der beiden Begriffe, Ende noch Unend
lichkeit, eine befriedigende Lösung des Geldproblems zu lie
fern, und diese Feststellung drängt die weitere Vermutung
auf, es handle sich hier um eine Frage, deren Lösung über
die Macht unseres wirtschaftlichen Denkens hinaus gehe: die
Kategorien dieses Denkens scheinen zu elementar, zu primi-