Object: Kommentar zum Gesetz über eine Kriegsabgabe von Vermögenszuwachs und zum Gesetz über eine außerordentliche Kriegsabgabe für das Rechnungsjahr 1919 vom 10. September 1919

202 BermögenszuwachSfteucrgesetz. § 6. 
ihm letztwillig die Last oder Schuld erlassen hat. Denn in diesen Fällen gilt 
das Recht auf die Leistung oder Forderung als vermacht und als nicht durch 
Konfusion erloschen (§ 2175 BGB.) und steuerlich als „Erwerb von Todes 
wegen aus dem Nachlaß". Hatte z. B. der Erblasser gegen -V Anspruch auf eine 
lebenslängliche und an B einen solchen auf eine nicht aus seine, des Erblassers, 
Lebenszeit beschränkte Leistung, und hatten beide Leistungen denselben Kapital 
wert, und setzt er A und B als Erben ein, so würde ohne die Vorschrift in Nr. 2 B 
den Kapitalwert nach Nr. 1 vom Endvermögen abziehen können, A nicht. Diese 
Ungleichmäßigkeit verhütet die Nr. 2 BZAG. Vgl. auch folgende Aussührungen 
des pr. OVG. in (£. K VI a 7 v. 27. April 1918 zu einem Falle, wo der Steuer- 
pflichtige geltend machte, seine Ehefrau habe als Erbin ihrer Mutter aus deren 
Nachlaß nicht nur, wie die Vorinstanzen angenommen hatten, 265 000 M., 
sondern außerdem 30 000 M. in Gestalt des Anspruchs der Mutter auf Rück 
zahlung von Darlehen dieser an seine Frau erworben, da dieser Anspruch bei 
der Erbauseinandersetzung durch Ausrechnung mit dem Erbanspruche seiner 
Frau von 295 000 M. getilgt iporden sei: „Sind diese Angaben richtig" — so 
führt das OVG. aus —, „so hat die Ehefrau des Steuerpflichtigen den vollen 
Betrag von 295 000 M. durch Erbanfall aus dem Nachlaß eines Verstorbenen 
erworben und darf ihn ,von betn nach den Vorschriften des BSt.G. für den 
31. Dez. 1916 festgestellten Vermögen' abzieben (§ 3 Abs. 1 Nr. 1 BSt.G.), 
ohne Rücksicht darauf, wie die Erben sich hinsichtlich der Nachlaßforderung an 
seine Ehefrau auseinandergesetzt haben." 
c) Wenn das Ges. davon spricht, daß die angefallenen Leistungen „auf 
dem Vermögen des Abgabepflichtigen geruht haben", so ist damit nicht etwa 
eine dingliche Belastung der einer solchen fähigen Vermögensbestandteile zur 
Voraussetzung der Anwendbarkeit des § 6 Nr. 2 gemacht, sondern es bedeutet 
an sich weiter nichts, als daß die Leistungen den Abgabepflichtigen oblagen und 
mit ihrem Kapitalwert als Passivum sein steuerbares Reinvermögen vermmderten. 
Wohl aber ist Erfordernis der Abzugsfähigkeit nach z 6 Nr. 2 BZAG., daß es 
sich um Leistungen handelte, die nach § 10 BSt.G. vom steuerbaren Vermögen 
abzugsfähig sind, also um Leistungen der in § 6 Nr. 5 BSt.G. bezeichneten 
Art (vgl S. 99 Anm. IIl30bkzu §3), und bei auf inländisches Grund- und Be- 
triebsvermögen beschränkter Abgabepflicht (§ 2 Abs. 1 II) um solche Leistungen 
dieser Art, die zu diesem allein steuerbaren Vermögen in wirtschaftlicher Be 
ziehung stehen (§ 10 Abs. 2 BSt.G.; vgl. oben Anm. III 3 Fa S. 109 zu § 3) 
d) Aus dem zweiten Halbsatz der Nr. 2 ergibt sich aber eine weitere Be 
schränkung seines Anwendungsgebiets. Danach ist abzugsfähig der Betrag, 
„mit dem der Kapitalwert bei Feststellung des Anfangsvermögens oder 
des durch einen der in Nr. 1 und 4 bezeichneten Anfälle erworbenen 
Vermögensbetrags in Abzug gebracht worden ist". Die Nr. 2 ist also nur 
anwendbar, wenn . . . „ . . 
a) entweder die Verpflichtung dem Abgabepflichtigen beretts m dem 
Zeitpunkt oblag, für den sein Anfangsvermögen festgestellt ist, oder 
ß) die Verpflichtung zwar erst später übernommen ist, aber mit einem der 
in Nr. 1 und 4 des § 6 bezeichneten Erwerbe verbunden war; die 
Begr. sagt, „auf einem der in § 6 Abs. 1 Nr. 1 und 4 bezeichneten, 
während des Beranlagungszeitraumes eingetretenen Bermögensanfälle 
geruht hat". . . 
Im Falle zu a genügt also das Bestehen der Verpflichtung zu dem dort 
bezeichneten Zeitpunkt und ihre Berücksichtigung bei Feststellung des Anfangs 
vermögens, ohne daß es auf den Entstehungsgrund der Verpflichtung anders 
als nach 8 6 Nr. 5 und § 10 Abs. 2 BSt.G. ankommt.
	        
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