VII. Reichtum und sein Gebrauch.
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und Schätzeansammelns bedacht hat; Männer, gegen welche öffent
lich aufzutreten, jetzt zur Mode geworden, und gegen welche
sogar die Gesetzgebung zeitweise gerichtet ist. Und doch, gibt
es wirklich einen Wohltäter der Menschheit, welcher in dem,
was er vollbracht, und in dem Andenken und den Monumenten,
die er hinterlassen, mehr zu beneiden wäre, als Ezra Cornell?
Oder, um ein anderes Beispiel zu wählen, mehr als Henry W.
Sage? Solche Männer verstanden es, reich zu werden, eben weil
sie mit den dazu nötigen Gaben ausgerüstet waren und sie ver
standen, sobald sie reich geworden, ihr Geld für große öffent
liche Unternehmungen anzuwenden zu Zwecken, die unsterblich
sind und deshelb dauern werden, solange Menschen auf Erden
leben. Die Männer des Genies und die Männer des Reichtums
— die einen durch Eröffnung neuer Lebensbahnen, die anderen
durch Anhäufung und Ersparung großer Mittel für große Unter
nehmungen und große öffentliche Zwecke — sind jetzt, da sich
das zwanzigste Jahrhundert uns öffnet, die eigentlichen und un
schätzbaren Führer der Welt.“ Die Bienen im Bienenkörbe töten
nicht die honigmachenden Bienen, sondern nur die Drohnen. Eine
Beseitigung der Millionäre wäre für die Allgemeinheit ein großes
Unglück; denn die Millionäre sind die Bienen, welche den Honig
produzieren und das meiste davon im Bienenkörbe aufspeichern,
selbst wenn sie sich selbst dabei vollsaugen. Es ist gewiß eine
bemerkenswerte Tatsache, daß die Volksmassen eines jeden Lan
des sich wohl und gedeihlich befinden im Verhältnis zu der Zahl
der in dem betreffenden Lande lebenden Millionäre. Man nehme
Rußland mit seiner fast im Zustand der Sklaverei lebenden Be
völkerung, halb hungernd, und dazu bei einer Kost, die niemand
in ganz Amerika essen könnte oder essen würde! Kaum einen
einzigen Millionär findet man in ganz Rußland — wenn man
den Zar und eine Anzahl Adeliger ausnimmt — welche, dank
dem dort herrschenden politischen System, den ganzen Grund
und Boden besitzen 1 ). In einem großen Maße ist dasselbe in
Deutschland der Fall. Soviel ich weiß, gibt es im ganzen deutschen
*) Diese Behauptung Carnegies trifft heute keineswegs mehr voll zu;
es gibt neben den Großgrundbesitzern auch noch andere sehr reiche Leute
in Rußland.