140
X. Geschäft.
mann in England ist jetzt der Herzog von Devonshire, da er das
Vertrauen der beiden großen politischen Parteien Englands be
sitzt. Er ist Präsident der Barrow Stahl Aktiengesellschaft. Die
Mitglieder des gegenwärtigen Ministeriums in England haben
64 Direktorstellen in verschiedenen Handels-, Fabrik- und Berg
werksgesellschaften inne. In dem heutigen Großbritannien frägt
man sich nicht, wie man dem Geschäft aus dem Wege gehen,
sondern wie man in dasselbe hineinkommen könne. Jules Faure,
der Präsident der französichen Republik, ein Mann mit einer
bewunderungswürdigen Laufbahn hinter sich, war durch sein gan
zes Leben ein Geschäftsmann. Die frühere Abneigung gegen das
Geschäft ist vollkommen verschwunden.
Sie werden sich vielleicht entsinnen, daß der verstorbene Kaiser
von Deutschland (Friedrich III.) seinen Freund, den Stahlfabrikanten
Krupp zum Fürsten des Reiches zu machen wünschte; doch dieser
Geschäftsmann war auf seine Werke zu stolz; er war eben der
Sohn seines Vaters und bat den Kaiser, ihn des Ranges nicht
zu berauben, welchen er, ein König im Stahlbereich, inne hatte.
Ich zweifle nicht, daß sein Sohn, der ihm in der Herrschaft ge
folgt, dieselbe Antwort geben würde. Gegenwärtig ist er ein
Monarch, gerade so wie der Kaiser, und soviel ich über den jungen
König Krupp weiß, gerade so stolz auf seine Stellung 1 ).
Sogar in den alten Festen Europas ist das Vorurteil gegen
den Kaufmann verschwunden. Dieser Wandel entstand dadurch,
daß das Wesen des Geschäftes selbst sich verändert hat. In alten
Zeiten wurde jedes Geschäft in kleinem Maßstabe betrieben, klein
liches Handeln in kleinlichen Dingen bringt aber auch kleinliche
Menschen hervor. Jeder mußte sich eben um jede kleinliche Einzel
heit kümmern, da jeder für sich selbst fabrizierte und handelte.
Die höheren Fähigkeiten für Organisation und Unternehmungen,
sowie weite und große Anschauungen und ausführende Geschick
lichkeit fanden damals keinerlei Verwendung. Heutzutage werden
Diese Darstellung ist nur teilweise zutreffend. Zunächst wollte
Kaiser Friedrich Krupp nicht zum „Fürsten“ machen, sondern er trug
dem alten Krupp nur die Nobilitierung an. Sein unlängst verstorbener
Sohn hatte, wie allbekannt, entgegen der von Carnegie ausgesprochenen
Erwartung den Adel angenommen.