Full text : Der Steinkohlenbergbau in Preussen und das Gesetz des abnehmenden Ertrages

Grubenpferde  (Rotz).  So  kam  es,  dass  von  1889  bis  1898  71  Neuanlagen ­
  errichtet  wurden,  die  die  Hauptbedingung  erfüllten,  nämlich ­
  die  Möglichkeit,  Kurven  zu  durchfahren,  ohne  die  Wagen  vom
Zugmittel  lösen  zu  müssen.  Sonst  wären  ja  an  jeder  Kurve
2  Arbeiter  erforderlich.  Im  Jahre  1898  betrug  die  Bahnlänge  im
Ruhrgebiete  83  119  m,  davon  als  Maximum  2680  m  im  Schacht  II
der  Zeche  Zentrum.  Bahnlängen  von  weniger  als  1000  m  sind
wenige  vorhanden,  die  meisten  schwanken  zwischen  1000  bis
2000  m  x ).
Die  Geschwindigkeit  bei  der  Streckenförderung  beträgt  0,5
bis  1,0  m  pro  Sekunde.
Nach  der  geforderten  Geschwindigkeit  aber,  sowie  nach  der
Fördermenge  und  der  Länge  der  Strecken  und  den  bekannten
lokalen  Faktoren  muss  sich  die  Stärke  der  Antriebs  mas
  c  h  i  n  e  n  2 )  für  die  unterirdischen  Förderungen  richten.
Im  Ruhrgebiete  sind  Maschinen  mit  20  und  30  P.S.  am  gebräuchlichsten. ­
  Bei  kleinen  Betrieben  kommen  solche  bis  zu  7  P.S.
vor;  Maschinen,  die  mehrere  Antriebe  zu  bewegen  haben,  haben
bis  zu  60  P.S.  Als  Betriebskraft  verwendet  man  Dampf,  Pressluft, ­
  Elektrizität  und  Druckwasser.  In  Westfalen  wurden  42  Seilförderungen ­
  betrieben,  davon  11  mit  Dampf,  21  mit  Luft,  8  elektrisch ­
  und  2  mit  Druckwasser.  Die  Verwendung  der  Elektrizität,
über  deren  Einfluss  später  noch  mehr  gesprochen  wird,  hat  viele
Vorteile:  leichte  Leitung,  Beweglichkeit  in  der  Leitung,  gleichzeitige ­
  Lichtquelle,  Möglichkeit,  Ventilatoren  zu  treiben,  Rotationsbewegung ­
  statt  der  hin  und  her  stossenden  Zylindermaschinen.
Wenn  sie  trotzdem  noch  relativ  wenig  verbreitet  ist,  so  liegt  das
daran,  dass  die  meisten  Gruben  bereits  andere  Kraftübertragungsmittel ­
  hatten,  deren  Leistung  ausreichte  oder  doch  leicht  vergrössert
  werden  konnte.
Was  die  wichtige  Frage  nach  den  Leistungen  und  den
Betriebskosten  der  mechanischen  Streckenförderungen  anlangt, ­
  so  existiert  darüber  für  das  Ruhrgebiet  auf  Grund  eines
Materials  von  36  Förderungen  eine  eingehende  Untersuchung 3 ).
Es  wurde  dabei  ein  ganzes  Betriebsjahr  mit  möglichst  wenigen
Störungen  zugrunde  gelegt.  »Die  niedrigsten  Kosten  weist  die
1)  Entw.  Bd.  V.  66.  2)  Vgl.  Entw.  Bd.  V.  124.  130.  142.
3)  Vgl.  Glückauf,  Berg-  und  Hüttenmännische  Zeitschrift.  Essen  (zitiert  Gl.A.).
1900.  S.  141—154.  W.  M.:  Die  Betriebskosten  der  unterirdischen  Seilförderungen  auf
den  Zechen  des  Ruhrkohlengebietes.
            
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