fullscreen : Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

168

II.  Buch.  Der  Güteraustausch.

daß  ein  jeder  ein  besonderes  Gewerbe  ergreift  nnd  seine  sonstigen  Lebensbedürfnisse ­
  einkauft.
2.  Es  besteht  aber  auch  ein  Güteraustausch  zwischen  verschiedenen  Orten
und  dieser  erklärt  sich  aus  der  folgenden  Thatsache.
An  einem  jeden  Orte  können  nicht  sämtliche  Güter  producirt  werden.
Viele  lassen  sich  an  gewissen  Orten  gar  nicht,  an  andern  nur  mit  großen
Kosten  und  Opfern  erzeugen.  So  ist  es  unmöglich,  in  Deutschland  Zuckerrohr ­
  oder  Kaffeebäume  anzubauen,  und  der  im  vorigen  Jahrhundert  von
König  Friedrich  II.  angestellte  Versuch,  die  Maulbeerbäume  und  die  Seidenraupenzucht ­
  im  preußischen  Staate  einzubürgern,  mußte  als  zu  schwierig  und
kostspielig  aufgegeben  werden.  Oftmals  werden  aber  gewisse  Güter  gerade
an  den  Orten  benöthigt,  wo  sie  nicht  producirt  werden  können,  z.  B.  Eis
in  Tropenländern,  die  Felle  wilder  Thiere  in  großen  Städten  und  Salz
zum  Gebrauche  von  Menschen  und  Vieh  in  Gegenden,  die  vom  Meere  entfernt ­
  liegen  und  der  Salzbergwerke  entbehren.  Bisweilen  geschieht  es  auch,
daß  Güter  gewisser  Art,  welche  in  dieser  oder  jener  Gegend  ohne  besondere
Schwierigkeiten  hervorgebracht  werden  könnten,  in  die  betreffenden  Länder  von
auswärts  eingeführt  werden,  weil  sie  auf  diesem  Wege  billiger  zu  stehen
kommen.  So  wird  in  England  und  in  manchen  Theilen  von  Italien  Weizen
eingeführt,  nicht  weil  er  in  diesen  Gebieten  nicht  wachsen  würde,  sondern  weil
es  vortheilhafter  erscheint,  den  Boden  zur  Cultur  anderer  Gewächse  zu  verwenden, ­
  da  man  den  Weizen  billiger  aus  Rußland,  Indien  oder  Amerika
beziehen  kann.
3.  Eine  weitere  Ursache  des  Güterunllaufs  ist  in  den  Vortheilen  z"
suchen,  welche  sich  aus  der  Centralisation  gewiffer  Industrien  lind  namentlich
gewisser  aufeinander  angewiesener  Industrien  an  einem  Orte  oder  in  einer
Gegend  ergeben.  Von  dieser  Thatsache  haben  wir  bereits  zu  Anfang  des
6.  Kapitels  des  I.  Buches  gehandelt.
4.  Ebenso  ist  im  zweiten  Theile  des  nämlichen  Kapitels  darauf  hingewiesen ­
  worden,  welche  Vortheile  mi§  der  Production  im  großen  sich  ergeben-Die
  Massenproduktion  hat  dann  selbstverständlich  den  Export  der  Mehrheit
der  Erzeugnisse  nach  andern  Orten  und  den  Betrieb  von  Handelsgeschäften,
durch  welchen  sich  derselbe  vollzieht,  zur  unausbleiblichen  Folge.
5.  Ein  fünfter  Grund  ist  in  der  Bildung  größerer  und  großer  Vevölkerungscentren,
  namentlich  großer  Städte,  zu  suchen,  wovon  gleichfalls  iw
6.  Kapitel  schon  gehandelt  worden  ist.  Die  Bewohner  solcher  Centren  muffen
mit  vielen  zum  Leben  nothwendigen  Gegenständen  von  auswärts  versorgt
werden,  und  so  entwickelt  sich  denn  zu  diesem  Behufe  ein  regelmäßiger,  beträchtlicher ­
  Handel.  Die  Existenz  von  Städten  und  die  Blüthe  des  Handels
gehen  Hand  in  Hand.  Wo  nur  wenige  und  kleine  Städte  vorhanden  sind,
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.