XIII. Abschnitt. Kriegskosten.
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XIII. Abschnitt.
Kriegskosten.
Der Begriff der Kriegskosten scheint kaum zweifelhaft, trotz
dem zeigt die Verschiedenheit der sich hier kundgebenden Auf
fassungen die Notwendigkeit einer genaueren Umschreibung. Von
geringfügigeren Nebensächlichkeiten und überflüssigen Exaktheiten
— haben ja manche (z. B. Foville) auch den mit geringer Kriegs
geburtenziffer verbundenen Verlust an Neugeborenen zu den Kriegs
kosten gerechnet — kommen hier namentlich folgende Momente in
Betracht: 1. die Kosten für Heer und Flotte vor dem Kriege; 2. die
selben Kosten während und unmittelbar nach dem Kriege; 3. der Wert
an verlorenen Menschenleben, verlorener Menschenarbeit und sonst
verlorener Menschenkraft; 4. Unterbrechung der Produktion. Was
den ersten Faktor betrifft, so glaube ich die Ansicht aussprechen
zu dürfen, daß die betreffenden Staatsausgaben nicht eigentlich zu
den Kriegskosten zu rechnen sind. Diese Auslagen finden ihren
Gegenwert in der Abwehr des Krieges und wenn wir nach den Er
fahrungen des Weltkrieges die Kosten eines Kriegsjahres und die
eines Friedensjahres vergleichen, so glaube ich sagen zu dürfen,
daß die jährlichen Friedenskosten in dem Kesultate der Erhaltung
des Friedens, zum größten Teile wenigstens, konsumiert sind. Des
gleichen glaube ich die Kosten nach dem Kriege, die Kosten des
sogenannten Retablissements nicht zu den Kriegskosten im eigent
lichen Sinne rechnen zu dürfen mit Ausnahme aller jener Kosten,
welche durch die Zerstörung von Werten und Ersatz aller durch
den Krieg verursachten Schäden verursacht sind. Dagegen glaube
ich den Wert der geopferten Menschenleben, die Verluste von pro
duktiver Arbeitsleistung und durch Invalidität, Krankheit verur
sachten Minderung von Arbeitskraft in Rechnung stellen zu müssen.
Nur gilt zu bemerken, daß hier genaue rechnerische, gewisser
maßen buchhaltungsmäßige Werte nicht zu erreichen sind und der
verschiedenen Methode, Auffassung weiter Spielraum geboten ist.
Gibt es ja auch viele wertlose, ja sogar schädliche Leben und viele
solche Leben, die höchstens an Wert soviel produzieren, was ihre
eigene Erhaltung notwendig macht. Freilich kann hiergegen einge
wendet werden, daß die letzteren oft einen hohen militärischen, ja
auch ethischen Wert repräsentieren, doch ist hier die wirtschaft
liche Bewertung an ihre Grenze gelangt. Die Berechnungen der
Statistik wird sich mit Sicherheit immer nur auf dem Gebiete des
Sach- und Geldwertes bewegen und die immateriellen Werte nur