VII. Die Gründungsunternehmerstädte des 12. Jahrhunderts 275
&4e) Ich folge der Ausgabe bei F. Keutgen, Urkunden zur städt. Verfassungsgeschichte,
Nr. 151.
%) R. Kötzschke, in: Reumuth, Heimatgeschichte für Leipzig, Leipzig 1927, S. 91.
56) Vgl. z. B. Heyd, Gesch. des Levantehandels, Bd. I, 1879, S. 167 ff.
57) Neuerdings hat H. Jecht, Studien zur gesellschaftlichen Struktur der mittelalter-
lichen Städte, Vtjschr. f. Sozial- u. Wirtschaftsgesch., Bd. XIX, S. 57f. im Anschluß an
Sombart den Gegensatz der großen wirtschaftlichen Unterschiede, ja Gegensätze, die
man unter dem Begriff „mittelalterliche Stadt‘‘ zusammenfaßt, scharf und glücklich
hervorgehoben. Ebenso finden sich hier gute Formulierungen über die Differenzierung
innerhalb der städtischen Bevölkerung, die mit den Ergebnissen meiner Untersuchungen
übereinstimmen.
5) Für Heinrich den Löwen gilt dasselbe, was für die böhmischen Landesherren des
12. Jahrhunderts Zycha (vgl. S. 38, Anm. 88) S. 584 eindrucksvoll formuliert hat. „Es
ist eine Verkennung des Ideen- und Machtkreises der Territorialherren jener Zeit über-
haupt, ihnen zuzumuten, daß sie die soziale und rechtliche Entwicklung nach eigenem
Ermessen in neue Bahnen gelenkt hätten. Daß sich einer der Premysliden eine Maßnahme
von solcher Tragweite wie die erstmalige Schaffung eines böhmischen Städtewesens
vorgesetzt hätte, heißt nichts anderes, als die obersten Träger der Entwicklung zu deren
Organisatoren stempeln: Eine ganz andere Frage ist aber die, ob und in welchem Maße
die Städte durch schaffendes Mitwirken des (böhmischen) Königtums entstanden sind.“
Zycha weist an verschiedenen Stellen dieser Arbeit nach, wie im 13. Jahrhundert das
Königtum von einer verständnisvollen Förderung der in ihren letzten Kräften von ihm
unabhängigen Kolonisationsbewegung zu einer eigenen Gründungstätigkeit übergeht, die
zwar sehr viel, aber meist recht unbedeutende Städte geschaffen hat. Das ist der typische
Gegensatz von 12. und 13. Jahrhundert! Für das 12, Jahrhundert lasse ich noch einmal
Zychaa. a. O. S. 584 sprechen: „Am Anfang steht der Zuzug deutscher Kaufleute von
jenseits der Grenze. Ungerufen, wenn auch nicht ohne Einverständnis mit dem Fürsten,
waren sie gekommen und hatten diesem zum ersten Male die Bedeutung des bürgerlichen
Wesens im Lande selbst vor Augen geführt. Sie sind es gewesen, die die bürgerliche Ent-
wicklung einleiteten.‘“ Und weiter S. 586: ‚In dieser ersten Periode stand demnach die
städtische Entwicklung Böhmens zunächst unter dem natürlichen Einfluß einer an
den Handelsverkehr anschließenden Kolonisationsbewegung; erst in zweiter
Linie unter der Einwirkung der landesherrlichen Macht.‘ Diese von Zycha gezeichnete
Entwicklung, die ich erst eben vor der Drucklegung des seit langem fertigen Manuskriptes
kennen lernte, deckt sich vollständig mit den allgemeinen Zügen der Entwicklung, wie
sie oben im Text entwickelt sind. Vgl. auch oben S. 110, Anm. 39. — Die von Zycha ge-
wählte Terminologie — nämlich nur die späteren landesherrlichen Gründungen als
.‚Gründerstädte‘‘ zu bezeichnen, dagegen die vorausgehenden, aus ‚„„,Kaufmannskolonien‘““
nervorgegangenen Städte als ‚allmählich gewordene‘‘ Städte zu bezeichnen — scheint
mir nicht ganz glücklich zu sein. Es liegt an ihr, daß jene Städte, die man in Böhmen
vielleicht als „„Gründungsunternehmerstädte‘ im Sinne des 12. Jahrhunderts anzusprechen
hat, bei Zycha in die Kategorie der ‚„,allmählich gewordenen‘‘ Städte fallen; z. B. Brünn.
Vgl. unten S. 276, Anm. 71 und P. Rehme, Ztschr. d. Sav. Stift. Germ. Abt. Bd. 49,
N, F. 36, 1915, S. 546. — In der Sache glaube ich aber vollkommene Übereinstimmung
mit Zvcha feststellen zu dürfen.
%) S. Rietschel, Die Städtepolitik Heinrichs des Löwen, Hist. Ztschr. Bd, 102,
5. 247ff. — Für den Vergleich Lübeck—München schließe ich mich der Auffassung
G. Aubins, Lübeck und München, Eheberg-Festgabe 1925, S. 24 an, der es nicht mehr
als einen ‚Zufall‘ ansieht, daß München und Lübeck „durch denselben Herrscher ins
Leben getreten seien‘, und in der Darstellung selbst die grundverschiedene Bedeutung
und Entwicklung des mittelalterlichen Lübeck und München‘ gerade nach der wirt-
schaftlichen Seite hin scharf hervorhebt. Aus dem gleichen Grunde kann ich mir die ganz
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