ägyptische A u g e n e n t z ü n d'u n g, die schon zur französischen Zeit
in der Rheinprovinz ausgebreitet gewesen sei, sich neuerdings ge
zeigthabe. Der Oberpräsident Graf Solms-Laubach verordnete am
31. August 1820 eine Aufnahme aller Augenkranken. Professor
von Walther hatte in dem von ihm herausgegebenen Journal für
Chirurgie usw. behauptet, die Gefahr zu erblinden werde fast
allgemein in Europa. Von allen Ländern sei Deutschland am
meisten bedroht, und die niederrheinischen Provinzen würden
nun bald nur von Blinden bewohnt werden. Dieser Ansicht trat
Carl Anton Werres, Doctor der Medicin, Kgl. preuß. Kreis-
physicus des Landkreises Köln, in einer umfangreichen „Streit
schrift gegen alle Vertheidiger“ dieser Augenentzündung in der
damals beliebten Weitläufigkeit und mit großem Aufwand von
Gelehrsamkeit entgegen. Manche werden an folgenden Sätzen heute
noch Gefallen finden: „Wir halten noch immer eine viel zu große
Menge von Arzneien für spezifische Gegensätze der Krankheiten
und bilden uns ein, diese müßten blos darum weichen, wenn wir
bei jeder ihren rechten spezifischen Gegensatz, ihr eigenes Re-
medium contra anwenden.“ Werres äußert dabei die Ansicht:
„Die Krankheiten gehen ihren von der Natur vorgeschriebenen
Gang und durchlaufen ihre Genesungsprocesse ... bei den
verschiedensten, selbst oft bei ganz entgegengesetzten Heil
arten, wofern wir nicht gar zu grobe, zweckwidrige Eingriffe
machen.“
Es ist nicht mehr festzustellen, welche Verbindung Bachem
damals von Köln nach Moskau führte, denn dort ist der dicke
Quartband gedruckt worden, in dem der russische Arzt Sutamilli
seine Beobachtungen an 150 an Bräune erkrankten Personen mit
größter Ausführlichkeit dargelegt hat. Der Titel des der Kaiserin-
Mutter Maria Feodorowna gewidmeten Werkes lautet: „Decouverte
sur le croup ou L’Asthma synanchicum acutum. Moscou, de
rimprimerie N. S. Vsevolojsky. Cologne en Commission chez
J. P. Bachem 1820.“ Es kostete vier Taler und ist anscheinend
auch in deutscher Uebersetzung von F. Haaß — nach dem
Katalog von 1836; ein Druck ist nicht mehr aufzufinden — unter
dem Titel „Beiträge zu den Zeichen des Croups“ in
Moskau gedruckt und in Köln verlegt worden.
Endlich gehört hierher auch noch eine kleine Schrift aus 1820:
»lieber die medizinische Anwendung des Zuckers“
von Johann Jakob Günther, „der Medizin und Chirurgie-Doktor“