Full text: Vergangenheit und Zukunft der Sozialwissenschaften

62 
und der Theorie der Gesellschaft hätte sich origi 
nelle Kraft bewähren und an der Aufgabe ver 
suchen können alles das nach und nach in Ordnung 
zu bringen. So wäre langsam aber unvermeidlich das 
ganze Gebäude ein anderes geworden, so wie die 
Eiche etwas anderes ist als die Eichel. Still und 
machtvoll wäre der Strom zu einem Meer geworden 
und alle noch so neuen Errungenschaften hätten sich 
— so erst wahrhaft fruchtbar werdend — als neue 
Jahresringe an den vorhandenen Stamm gefügt. 
Drittens: Ganz von selbst hätte sich dabei auf 
Schritt und Tritt das Bedürfnis nach Zufuhr neuer 
Tatsachenmassen ergeben und man hätte sie sammeln 
oder sich an jene wenden können, die ihre Lebens 
aufgabe im Sammeln sehen. Ohne Lärm und ohne 
Prinzipienstreitigkeiten, die Unberufene in den Vor 
dergrund heben, ohne persönliche Eitelkeiten und 
Gehässigkeiten, ohne alles das, was die unliebens 
würdigsten Seiten der menschlichen Herzen an die 
Oberfläche steigen läßt — so möchte man sich wohl 
diese Entwicklung denken. 
So ist es nicht gekommen. Wohl lebten manche 
Stücke der Geisteswelt des 18. Jahrhunderts weit in 
das 19. hinein. Die beiden auffälligsten Beispiele 
sind die deutsche Metaphysik der ersten Jahrzehnte 
des 19. Jahrhunderts und die „klassische Schule“ der 
Nationalökonomie. Aber schließlich erlag ja jene 
Metaphysik, scheinbar wenigstens, und sie kann uns 
hier nicht berühren. Und die klassische Schule der 
Nationalökonomie — ist nicht auch sie bald erlegen, so 
daß wir sie eben als Überbleibsel der alten Zeit be
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.