92
VI. Die Lehre des Buddha.
budäbas (Pali Paccekabuddha) sind schon den alten Pali-Texten
wohlbekannt, erscheinen aber ziemlich selten. Man denkt sich dar
unter Männer, die aus eigener Kraft die Kenntnis erworben haben,
die für die Erreichung des Hirväua nötig ist. Sie behalten aber
diese Kenntnis für sich, verkündigen sie nicht den Menschen, sind
also, wie ihr Name es besagt, Buddhas für sich allein Später
hat sich die Lehre herausgebildet, daß die Pratyeüabnddbas nie
gleichzeitig mit einem vollendeten Buddha auftreten. Diese Lehre
ist nicht ursprünglich, wie die alten Texte zeigen, in denen der
Pratyekabuddha nur eine Stufe höher ist als der Arbat. Er
kann für sich das höchste Nirväna erreichen, aber er kann das Ge
setz nicht andern verkündigen, „so wie ein Stummer Wohl einen
wichtigen Traum haben, aber ihn nicht andern erklären kann",
oder „wie ein Wilder, der eine Stadt betritt und von einem ach
tungswerten Bürger, der ihn trifft, bewirtet wird, nach seiner
Rückkehr in den Wald nicht imstande ist, seinen Mitwilden eine
Idee zu geben von der Speise, die er genossen hat, weil sie nicht
an solche Speise gewöhnt sind". In der Legende erscheinen die
Pratyekabuddbas stets als Einsiedler mit langem Barte und
struppigem Haare, und sie werden gern mit dem einsam wan
delnden Nashorn verglichen, ein Vergleich, der für den buddhi
stischen Mönch überhaupt beliebt ist.
Die Bockbisattvas (Pali Bockbisatta) sind die Wesen,
die bestimmt sind, dereinst Buddhas zu werden. So war Buddha
bis zu seinem 34. Lebensjahr ein Bodbisattva. Ein solcher kann
als Tier wiedergeboren werden; er bleibt deswegen doch ein Bo-
dhisattva, begeht aber in keiner Existenz Sünden.
Hoch über allen andern Wesen steht der heilige, erhabene Buddha,
der erleuchtete oder völlig erleuchtete. Die gewöhnliche Lobpreisnngs-
formel, die an der Spitze jeder Pali-Handschrift und jedes Pali-
Buches steht, ist: namo tassa bbagavato arahato sammäsam-
buddhassa, „Verehrung dem Erhabenen, Heiligen, Vollständig er
leuchteten!" Man sagt von Buddha, daß ihm niemand gleich sei
unter den Nichtfüßlern, den Zweifüßlern, den Vierfüßlern, niemand
in der Welt der Formen und der formlosen Welt, kein Gott, kein
Brahman. Selbst Milliarden von Pratyskabudckbas wiegen einen
einzigen vollendeten Buddha nicht auf. Niemand kann seine Hoheit
und Herrlichkeit ergründen. Wenn jemand auch tausend Köpfe
hätte und in jedem hundert Münder und in jedem Munde hundert
Zungen, so würde doch die Dauer eines ganzen Weltalters nicht