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Die Bedeutung des Tausches im Ñrbeits- u. wertbildungsprozeß
Grundcharakter läßt sich nicht umstoßen, er läßt sich
auf die einfache Formel bringen:
Die Einfuhr ist die Einnahme,
die Ñusfuhr ist die Ausgabe
eines Volkes. Und da man nur reicher werden kann
durch ein plus der Einnahmen über die Ausgaben,
so kann ein Volk auch nur reicher werden durch ein
Plus der Einfuhr über die Ausfuhr.
Es hat eine Zeit gegeben, und sie-ist sogar heute
noch nicht ganz überwunden, wo man in Gelehrten-
wie Laienkreisen in ganz unglaublicher Verkennung
der volkswirtschaftlichen Bedeutung der Worte „kaufen",
„verkaufen" und „bezahlen" (wir kommen bei Be
sprechung des Geldes noch darauf zurück) folgender
maßen argumentierte:
Wenn Deutschlands Ausfuhrziffer 5 Milliarden und
die Einfuhr 6 Milliarden ist, dann hat Deutschland
für 5 Milliarden ver kauft und bezahlt erhalten,
aber für 6 Milliarden gekauft und bezahlt, und,
vom kleinbürgerlichen Begriffe des Geldes ausgehend,
schien es sonnenklar, daß ein Land in kurzer Zeit
ruiniert werden müßte, wenn es dauernd l Milliarde
mehr ausgäbe als einnähme.
Ja, diese Auffassung ist so allgemein gewesen,
daß die Bezeichnung von „günstiger" und „ungünstiger"
Handelsbilanz in diesem Zinne noch immer nicht aus
unserer Tagesliteratur verschwunden ist.
wenn es bei Bekanntwerden der Handelsbilanzen
verschiedener Völker heißt, daß z. B. Indien einen
Ausfuhrüberschuß von 800 Millionen Mark, Belgien
dagegen einen Einfuhrüberschuß von 450 Millionen
habe, dann gibt es immer noch Leute, die bei aller
Anmaßung, das Publikum orientieren zu wollen, in