fullscreen: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

256 
Erstes Buch, Cap. 3. 
sirung liebt, Ausflüsse der Tendenz, alle Erscheinungen des 
Menschenlebens als messbare Wirkungen natürlicher Ursachen 
zu erfassen, 
Merkwürdigerweise thut Bentham den letzten Schritt, den 
menschlichen Willen selbst zu leugnen und menschliche Hand- 
lungen als nothwendiges, unfreies Product äusserer Kräfte 
aufzufassen, nicht. Der Reformator des Strafrechts behandelt 
zwar die Strafe lediglich als Mittel, gemeinschädliche Hand- 
lungen zu verhüten, setzt aber den durch die vernünftige Er- 
wägung des Nutzens bestimmten freien Willen überall voraus. 
Das „Ich“ bleibt die Urkraft, und deshalb behält der Mensch 
einen Willen; nur ethischer Materialismus folgt aus dem 
schroffen. Rationalismus — den ganzen Menschen als ein von 
Naturkräften bestimmtes Stück Materie aufzufassen, war An- 
leren vorbehalten. 
Die mittleren Abschnitte des Buchs sind rein erimina- 
listisch; am Schlusse kommt Bentham wieder auf allgemeine 
Fragen: er unterscheidet Sittlichkeit und Recht rein äusser- 
lich, indem sittlich jede Handlung ist, welche der Gesammt- 
heit (den Einzelnen eingeschlossen) vortheilhaft ist, das Gesetz 
aber aus Zweckmässigkeitsgründen nur einen Theil von un- 
sittlichen Handlungen mit Strafe bedroht. Recht und Sittlich- 
keit haben denselben Zweck: das Glück aller Glieder der 
Gesellschaft; aber es 'giebt Fälle, in denen die Sittlichkeif, 
gebietet, dass ein Mensch sein und seiner Mitmenschen Glück 
hefördere, ohne dass das Recht direct eingreift. 
Schärfer als im ersten Werk ist hier ausgeführt; dass es 
auf das Glück der Summe der Einzelnen ankommt; der 
Sprung !) vom Einzelnen zur Summe der Einzelnen wird aber 
1) Guyau in seinem sehr interessanten Buche: „La morale Anglaise 
Contemporaine“, Paris 1879, leugnet, dass bei Bentham ein logischer Sprung 
vorkomme und erklärt sein System für innerlich völlig consequent. Mit 
grossem Geschick hat Guyau den innersten Gedankengang Benthams über 
das Nützlichkeitsprineip möglichst einfach und präcise wiedergegeben und 
auseinandergesetzt, dass und wie bei Bentham das Streben des Individuums 
nach dem eignen grössten Glück, und das nach dem grössten Glück der 
grössten Zahl zusammenfallen. Der Beweis dieser Behauptung gründet 
sich auf viele Sätze bei Bentham, die ausführen, dass das eigne richtig
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.