Full text : Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

J. Bentham,

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durch den Satz, dass ein geordnetes Zusammenleben nothwendig
 sei, nicht erklärt. sondern als etwas Selhetverständberechnete

 Interesse zur Sympathie mit den Mitmenschen treibt. „La
vertu sociale, dit Bentham, est le sacrifice qu'un homme fait de son propre
plaisir pour pbtenir, en servant Vinteröt d’autrui, une plus grande somme
de plaisir pour lui möme.“ (Guyau 1. c. S. 22, s. auch S. 86, 63.)
Diese Theorie, welche alle moralischen Pflichten aus einem verfeiner-;en
 und aufgeklärten Egoismus, als ihrem allein möglichen und allein geaügenden
 Grunde ableitet, erkennt Guyau selbst nicht für richtig an —
ich brauche nicht zu sagen, dass nach meiner Auffassung diese Theorie
auf einer künstlich präparirten und unrichtigen Darstellung der Thatsachen
beruht und dass es ein Grundirrthum ist, wenn man überhaupt von dem
ur an sich denkenden Menschen ausgeht, statt den Menschen von vornherein
 zugleich als Glied der Gattung, der Menschheit aufzufassen, in wel-Sher
 Eigenschaft ihm die Mitarbeit an der Vervollkommnung der Menschheit
 zur natürlichen primären Lebensaufgabe wird.
Das warum es sich hier handelt, ist nicht die Frage nach der Wahrheit
 der Lehre, sondern die andere, ob Bentham diese Lehre so ent-Wickelt
 hatte, dass sie ihm — wenn man von dem falschen Ausgangs-Punet
 und den nicht erkannten Thatsachen des menschlichen Lebens absieht
 — wenigstens zur vollen Consequenz, wenn auch auf einer falschen
and ungenügenden Basis verhalf.
Guyau bejaht diese Frage — aber sein Urtheil stützt sich fast aus-Schliesslich
 auf Bentham’s „Deontology“, welche weder zu seinen bedeutendsten
 noch wirksamsten Schriften gehört, und auf Dumont’s Ueber-‘etzungen,
 Guyau behandelt Bentham nur als Moralphilosophen, während
® doch in erster Linie als politischer Reformator aufgefasst werden muss.
Nun kann man aus dem Studium der politischen Schriften unbedingt ersehen,
 dass Bentham sich den Menschen fast immer als roh und materiell
°ROlstisch denkt — so wenig er dies auch selbst war.
. _Pflichtgefühl und Wohlwollen gegen die Mitmenschen erscheinem hier
bei Bentham durchaus nicht als ein, wenn auch abgeleiteter, so doch
Mitbeherrschender und einflussreicher Zug der Menschen. Vielmehr führt
Bentham aus, dass und wie höchst raffinirte Einrichtungen die Staats-Organe
 zwingen müssen, das Wohl der Gesammtheit statt ihres eigenen
ZU befördern.
Es bleibt ferner, — was Guyau gegenüber betont werden muss —
nter allen Umständen der eine grosse innere Widerspruch:
; Wenn das individuelle Urtheil des von Natur und mit Recht
© Grunde nur an sein Glück denkenden Menschen die letzte Richtschnur
für alle Handlungen ist, so kann das Individuum jedenfalls immer im
anzelnen Fall urtheilen, dass sein Glück und das der grössten Zahl
lfferiren, und es giebt keinen allgemein genügenden Grund für das In-Held.
 Sne. Gesch. Bnel. >
            
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