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Zu der Zeit, als man die Errichtung von Handwerkskammern
ernstlich erwog, hatte die Bildung
der Masse der Handwerker ihren Tiefstand erreicht.
Die Handwerkstechnik war erheblich zurückgegangen,
die (Qualitätsarbeit, die eigentliche
Domäne des Handwerks, wies allenthalben die
Zeichen eines starken Verfalles auf. Noch viel
schlimmer war es bestellt um die Allgemeinbildung
der Handwerker sowie um ihre kaufmännischen
Fähigkeiten und Kenntnisse,
die infolge der veränderten Wirtschaftsverhältnisse
eine unerläßliche Voraussetzung zum erfolgreichen
Geschäftsbetrieb im Handwerk geworden waren.
Unter solchen Umständen lag das Handwerk noch
mehr darnieder, als es die Veränderungen der
Schaffensbedingungen, die Verminderung der Wettbewerbsfähigkeit
des Handwerks neben dem kapitalkräftigeren
Großbetrieb ohnehin verschuldet
hatten. Das war natürlich auch den zur Förderung
und Stärkung des Handwerkerstandes berufenen
staatlichen Ämtern nicht unbekannt, weshalb sie
— wenngleich zunächst nur schüchtern und zaghaft
— einen versuch zur Besserung machten durch
die Errichtung von gewerblichen Schulen
der verschiedensten Art. Die Schulen erzielten auch
Erfolge; doch sie waren gering im Vergleich zu
der ungeheuren Leere, die sie ausfüllen sollten.
Die Gründe hierfür sind allgemein bekannt. Teils
war die Organisation der Schulen nicht umfassend
genug, alle Glieder des Handwerks einzubeziehen,
teils waren die Schulen mangelhaft, in ihren Zielen
noch unklar, des unentbehrlichen Zwanges . ermangelnd
; teils — und das gehört mit zur Hauptsachs
— verhielten sich die Handwerker selbst gegen
die Schulen zurückhaltend, wenn nicht gar ablehnend.
Line tatkräftige Hülfe bei der Bekämpfung
aller dieser Uebelstände erwartete die Regierung
von den Handwerkskammern. Und diese
Erwartung ist, — das darf man ohne weiteres
vorausbemerken — zum größten Teil erfüllt worden.
Selbst die Gegner der Handwerkskammern, die
ebensowenig von ihnen wie von der Organisation
des Handwerks überhaupt eine Besserung der wirtschaftlichen
Verhältnisse des Handwerks erwarten,
können ihnen heute das Zeugnis nicht versagen, daß
sie auf dem Gebiete des gewerblichen Bildungswesens
durchaus auf dem Kosten gewesen sind und tüchtiges
geleistet haben. Za, die Handwerkskammern
haben sogar bahnbrechend zur Förderung der gewerblichen
Bildung gewirkt, da sie ihr neue und
früher unbekannte Gebiete erschlossen haben, sowie
einen beträchtlichen Anteil an der hohen Entwicklung
des gewerblichen Schulwesens überhaupt
sich zu gute schreiben können.
Zunächst hat, neben der erfolgreichen Wirksamkeit
der Schule selbst, die aufklärende Tätigkeit
der Handwerkskammern einen tiefgreifenden Umschwung
der Meinungen der Handwerker über die
Fortbildungsschule mit herbeigeführt. Die
hohe Bedeutung der Fortbildungsschule, ihr großer
wert für den gewerblichen Nachwuchs wird heute
doch schon im Gegensatze zu früher in allen Kreisen
des Handwerks anerkannt. Die Zahl der grundsätzlichen
Gegner ist stark zusammengeschrumpft.
Selbst mit dem Schulzwang und mit dem Tagesunterricht
haben sich die Handwerker befreundet,
nachdem sich ihre berufenen und höchsten Interessenvertretungen,
die Handwerkskammern, übereinstimmend
dafür ausgesprochen haben. So hat
also die Handwerkskammer ihren außerordentlich
großen Anteil an der Hebung der Bildung im
Handwerk, die ohne sie keinesfalls die Fortschritte
gemacht hätte. Damit hat die Handwerkskammer
den Grund zum wirtschaftlichen Aufschwungs
des Handwerks gelegt, dessen Voraussetzung
die bessere Bildung war.
Die Triebkraft dieser Betätigungsart der
Handwerkskammer wurzelt nicht nur in der Erkenntnis
der großen Bedeutung einer guten Schulbildung
für die Handwerker überhaupt, sondern
vor allem in der Erkenntnis, daß das Bestehen
der Gesellen- und Meisterprüfung eine
gute Vorbereitung durch die Schule geradezu erheischt.
woher sollten die Handwerker die in der
theoretischen Prüfung verlangten Kenntnisse anders
hernehmen, als aus der Schule! So ging also
das eine mit dem andern Hand in Hand. Mit
welch segensreichem Erfolge, das beweisen die
Ergebnisse der Prüfungen, die anderenfalls nie
erreicht worden wären. Bei dieser mehr moralischen
Unterstützung der Fortbildungsschulen hat die
Kammer es nicht bewenden lassen, sondern häufig
Geldbeihülfen gewährt, namentlich zu den