Güterzügen etwa acht Tage dauert, kostet das Fleisch im Großhandel von
frischgeschlachteten Tieren im Mittel pro Kilogramm 70 bis 80 Pfg.,
also 35 bis 40 Pfg. das Pfund. In St. Petersburg, bis wohin der Trans-
port zwei Tage länger dauert, also zehn Tage, stellen sich die Preise für
frisches Fleisch im Mittel auf 45- 50 Pfg. pro Pfund. Neben dieser Ein-
fuhr von lebendem Vieh besteht aber noch ein großer Import von Fleisch
hauptsächlich aus Kurgan. Hier hat die englische Gesellschaft „Union“
ein Kühl- und Gefrierhaus errichtet, und friert dort auch während des’Sommers
das Fleisch mit Hilfe der Kältemaschine ein, um es in diesem Zustande
den Städten zuzuführen.
Der russische Händler hatte bisher sein Geschäft noch nicht in dem
Maße organisiert, wie es die Engländer auch hier in Rußland bereits
getan haben, und bedienen sich die russischen Händler der natürlichen
Kälte für ihre Zwecke. Im Winter, bei der in Rußland herrschenden
strengen Kälte, werden die Körper der geschlachteten Tiere der kalten
Witterung ausgesetzt und auf diese Weise vollständig eingefroren und
auch gleichzeitig im Winter nach St. Petersburg und Moskau transportiert.
Im Winter wird das Fleisch in Kurgan je nach Qualität mit 40—70 Pfg.
per Kilo bezahlt. Die Transportkosten bis St. Petersburg, auf eine Ent-
fernung von 2300 Werst, im Winter in gewöhnlichen Eisenbahnwaggons,
berechnen sich für das Kilogramm auf 13—16 Pfg., je nach der Aus-
nutzung der Waggons. Alles Fleisch, was im Winter in hartgefrorenem
Zustande nach St. Petersburg eingeführt wird, wird in dortigen Kühl- und
Gefrierhäusern eingelagert und. im Sommer allmählich verkauft. Man
rechnet mit einer Aufbewahrungszeit vom Winter bis zum Herbst, also
mit ungefähr neun Monaten. — Die Einfuhr von gefrorenem Fleisch nach
St. Petersburg beträgt im Winter durchschnittlich ca. 50000 Tonnen.
Der Transport von lebendem Vieh auf so weite Strecken hat unan-
genehme Nachteile, weil erstens die Frachtkosten hohe sind, und zweitens
sehr viel Vieh bei der Sommerhitze während des Transportes eingeht.
Auch im Sommer sind deshalb noch große Fleischtransporte nach diesen
Städten notwendig, und werden hierfür Kühlzüge bzw. Kühlwaggons
gebraucht.
5. Die in Rußland benutzten technischen Hilfsmittel.
„Die Zeichnung (Fig. 20) stellt einen zum Fleischtransport ausgeführten
Kühlwaggon dar, welcher mit eigener Kältemaschine von der Maschinenbau-
Anstalt Humboldt, Köln-Kalk, ausgerüstet ist. Die Kühlung mittels Eis oder
Sonstigen anderen Hilfsmitteln ist für die weiten Strecken nicht ausreichend.
Der Waggon hat eine Gesamtlänge von 17,8 m und ist in fünf Abteile
Singeteilt. Die mittlere Abteilung enthält die Kältemaschine, und sind links
und rechts von derselben je zwei Laderäume für eine Aufnahme von ins-
AOeEMt. 11000 — 12000 kg Fleisch angeordnet. Vom Maschinenabteil ist
Yen Sin kleiner Raum abgetrennt, in welchem sich der Maschinist des
ee aufhalten kann. |
Ei ie Kältemaschine arbeitet nach dem Ammoniak-Kompressionssystem.
n stehender Kompressor mit zwei Zylindern ist mit einem ebenfalls
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