das wurde ihr eine Sache der Freude und der Hingebung. Tür
mich aber war es wesentlich, daß ich nicht einsam blieb, sondern
durch den alltäglichen Umgang gewann und mehr mit anderen
verkehren musste. Meine Mutter hatte einen gleichmäßigen frohen
3inn und einen großen Neiz für die Jugend; so ist ihr einst ein
kleines Mädchen auf der Straße begegnet, welches ste nicht kannte,
die aber ihre leuchtenden Üugen nicht wieder vergessen konnte. Trau
Dr. Schröder auf Schloß poggelow in Mecklenburg, geb. Peters,
welches dieses kleine Mädchen war, lernte ich erst in letzter Zeit
näher kennen, und ste erzählte mir: „Ich habe diese Llugen nicht ver
gessen können, erst als ich Sie kennen lernte, wußte ich, wem sie
gehörten". Was Wunder, wenn in unserem Kreise ein froher Ton
herrschte und treue Freundschaften geschlossen wurden. Mir selbst
standen die beiden Brüder Voß am nächsten, der ältere starb
früh, der jüngere wirkt noch als hochangesehener Professor der
Mathematik an der Münchner Universität. Wie oft haben wir drei
heranwachsenden Knaben tragen gemeinsam besprochen, und sind
wir, da wir keine besonderen Kirchgänger waren, durch die Wälder
von Llurich gestreift. — Wir wissen, wie schwierig sich durchgängig
die gesellschaftliche Stellung von Beamtenwitwen gestaltet. Man
will und muß die frühere soziale Stellung behaupten und muß
dabei sich zugleich hart mühen und plagen. Meine Mutter
hat diese Stellung sich voll gewahrt. Man lebte damals in an
spruchsloser Weise recht zufrieden. 5o haben wir wiederholt mit
näheren freunden den ganzen Tag im Walde zugebracht. Oie
Verpflegung war recht bescheiden, ein geeicht Neis und eine Tlafche
einfaches Weißbier war die Hauptsache. Über man genoß mit
vollen Zügen den frischen Wald, und man fühlte dadurch die
Kraft gehoben. Ülle Bestrebungen meiner Mutter hatten dabei
ein festes Ziel, mich auf die Höhe der akademischen Bildung zu
führen; darin sah sie ihre einzige Qufgabe. Von Jahr zu Jahr
wurde eine kleine Summe zurückgelegt, die ein sorgsamer Berater
aus altfüdischem geschlecht, mit dessen Onkel mich ein freundschaft
liches Verhältnis verknüpfte, fürsorglich verwaltete.
Oas Lluricher gymnastum.
V^as Üuricher gpmnasium hatte seine ersten Ünfänge in der
F^/Neformationszeit, aber damals versah ein einziger klassisch
gebildeter Lehrer den ganzen Unterricht. 1646 wurde eine größere
Organisation eingeführt, seitdem trägt das gymnasium den Namen
„Ulrich-Schule". Deutlich waren noch die alten Titel. Ün der
Spitze stand früher der Nektar, dann ein Konrektor, ein Subrektor,