gefördert. Dann wirkte eine später viel besprochene Persönlichkeit
bei uns: der katholische geschichtslehrer Iansfen. Lr hatte im be
sonderen Religion und geschichte für die katholischen Zchüler zu
lehren; Schwierigkeiten dieser Stellung haben wir damals nicht
empfunden. Sowohl feine wissenschaftliche Tüchtigkeit als sein
liebenswürdiger Humor wurden allgemein geschätzt. Ich war ihin
schon als Niederdeutscher rasch nähergetreten, und ich habe öfter mit
ihm die Probleme der Zeit durchgesprochen. Lr war zunächst ein
gegner der Unfehlbarkeit und sprach mit großer Hochschätzung
von Döllinger. Später aber hat er sich dem Unfehlbarkeitsdogma
unterworfen und dies auch mir gegenüber für eine Pflicht des
Katholiken erklärt; er verstehe nicht die Wege der Vorsehung, aber
es fei eine heilige Pflicht, sich dem anzuschließen, was die Kirche als
Wahrheit erkläre. Ich stand überhaupt mit den katholischen Tor
schern und Lehrern in dem besten Verhältnis, und es war mir ein
persönlicher Schmerz, daß der vortreffliche Professor Wedewer,
der Leiter der höheren katholischen Schule, so früh scheiden mußte.
Üuch später habe ich gerade bei gemäßigten Katholiken eine be
sonders freundliche gesinnung nicht bloß für mich selbst, sondern
auch für mein geistiges Streben gefunden. Weine eigene Stellung
zu den Problemen war frei von aller konfessionellen Lnge.
Ich habe das große, ]a das Unentbehrliche am Katholizismus
stets vollauf anerkannt, ohne fe meiner freieren philosophischen und
protestantischen grundüberzeugung etwas zu vergeben. Linstweilen
müssen wir uns gegenseitig vertragen.
Lluch außerhalb des Lehrerkollegiums hatten wir manche freund
schaftliche Beziehungen und geistige Törderungen. Ich gedenke z.B. des
geistvollen Lucae, der mich in die Anfänge der Anatomie einweihte
und in liebenswürdiger Weife auch auf meine philosophischen
Tragen einging. Terner haben wir freundschaftlich mit der Tamilie
des berühmten Naturforschers Schleiden verkehrt und manchen ge
meinsamen Qusstug gemacht, Schleiden war ein bedeutender und
anregender Wann, der vorzüglich schildern konnte und uns nicht
nur von Dorpat, sondern auch von Jena vieles erzählt hat; er hatte
vollen Sinn für die Jugend und für die lebendige gegenwart.
3eine führende Stellung in der modernen Botanik ist ein Stück
des wissenschaftlichen Kuhmes Jenas.
Im Jahre 1870 beschäftigten wir uns sehr mit einer größeren
Keife nach der ostfriesischen Heimat zu den dortigen Verwandten
und Treunden. Wir konnten mit rechter Befriedigung die ver
gangenen Jahre überdenken, und es war uns eine Treude, von
all diesen Erlebnissen den Treun des kreisen zu berichten; unsere
gemeinsame Lebensfahrt war ein Wagstück, aber dies Wag
stück durften wir als gelungen betrachten, alle Sorgen waren