Full text: Lebenserinnerungen

schützbare Werke darüber erschienen; eine volle Lösung der Üufgabe 
übersteigt aber dasvermögen eines Linzelnen, hier bleibt eine Üufgabe 
für eine Ükademie offen, die nur durch eine gemeinsame Ürbeit der 
Hauptkulturvölker lösbar ist. Wiederholt habe ich darauf ge 
drungen. Ich selbst habe beim Üusbau meiner philosophischen 
Überzeugungen diese Probleme nicht weiter verfolgt, und ich habe 
meine5ammlungen zur gesamtgeschichte der philosophischen gründ- 
begriffe vernichtet. 3mr einen fremden hatten sie keinen Wert, und 
mich selbst fesselte bald ganz und gar die Weiterentwicklung meiner 
eigenen gedankenwelt. Über fene Untersuchungen zur Termino 
logie haben mir manche Klärung gebracht.* 
Jener Zeit des Luchens und Lchwankens kann ich nicht ge 
denken ohne zu erwähnen, dasi manche kreffsiche Männer meine 
Bestrebungen mit freundlicher gesinnung begleitet haben; es waren 
namentlich Mitglieder der älteren generation, welche mir eine liebens 
würdige Lchätzung entgegenbrachten. Lo z. B. Zeller, Harms, 
Ulrici, Hchaarfchmidt, Wildauer, der mit unermüdlichem Lifer 
für eine Berufung meiner nach Österreich wirkte; auch Heyder, 
der mir eine Berufung nach Lrlangen vermittelte, must ich dank 
bar erwähnen. Üuch zu katholischen gelehrten wie Lengler und 
Hoffmann stand ich in freundlichen Beziehungen. Lo fehlte es 
* Wenn mein Umriß der philosophischen Terminologie an ersler Stelle 
eine gelehrte Llrbeit war, so wurde er doch von gewissen philosophischen Über 
zeugungen getragen. Es heißt u. a. S. 217; „Die Erforschung der Terminologie 
kann dafür wirken, daß die Tragen an der richtigen Stelle aufgenommen wer 
den, daß nicht unnützer Streit sich entfpinne, das Streben irrleite und herab 
ziehe. Konzentration des Kampfes auf die entfcheidenden Punkte, dazu mag 
unser gegenständ dienen, den Kampf selbst aber wird er steigern, nicht ver 
mindern." 
Über das Verhältnis der Waffen und der Einzelnen heißt es (S. 218): 
„Unter befonderen Umständen vermögen die Waffenkräfte auch positiv zu 
wirken, indem sie in den Dienst aufstrebender gefchichtlicher Bewegungen treten 
und eine Neugestaltung vorbereiten, aber durch folche Strömungen werden nur 
Bedingungen und Unterlagen hergestellt, großes positives Schaffen erfolgt 
einzig und allein durch die mühevolle Llrbeit jener Persönlichkeiten, welche ihr 
Leben an die Sache setzen. 3ur Negation und zur allgemeinen Wchtung ge 
nügen die elementaren Kräfte, die entfcheidenden Taten vollziehen sich in jenen 
Einzelnen." 
Llberzugleich gilt die Überzeugung, daß alle einzelne Llrbeit von einem ganzen 
der Vernunft umfaßt wird, und daß die Pbilofophie als eine gefamtmacht 
wirkt. „Bene zugleich dürftige und hochmütige Llnsicht, welche die philo- 
fophie in erster Linie auf die fubjektive Neflepon der Individuen zurückführt, 
erscheint schon von hier aus als unhaltbar" (S. 220). Über das Verhältnis zur 
gefchichte aber heißt es (S. 220): „Erhebung über das geschichtliche bleibt das 
Ziel, aber nur durch Versenkung in die geschichte kann daffelbe erreicht werden."
	        
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