13. Kapitel. Die Arbeiterwohnungsfrage.
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An Wohnungsmieten über 250 M. jährlich können in Deutschland
und in anderen Ländern nur die besser gelohnten Arbeiter beteiligt
sein, wenn auch im einzelnen große Abweichungen bestehen.
Da die Lohnhöhe überall nur einen engen Spielraum für den Mietaufwand
der Arbeiter gestattet, so ist in dieser Beziehung die Arbeiterwohnungsfrage
durchaus internationaler Art. Tatsächlich gibt es keinen
Kulturstaat, der nicht über ernste Mißstände im Arbeiterwohnungswesen
zu klagen hätte. Auch die Tatsache findet sich überall, daß
nicht nur in den Städten, sondern auch auf dem Lande die Wohnverhältnisse
der Arbeiter ungünstig sind. Soweit die Landgemeinden
durch Ansiedlung von Industrien und durch die nahe gelegenen Großstädte
beeinflußt sind, erscheint das selbstverständlich. Aber auch in
den Landgemeinden, die ihren landwirtschaftlichen Charakter bewahrt
haben und deshalb nicht den gleichen Einflüssen unterliegen wie die
Städte, sind große Mißstände nicht zu leugnen. Sie beruhen hier vorzugsweise
auf den beschränkten Einkommensverhältnissen der Arbeiterschaft,
die — auch die im eigenen Hause wohnenden ansässigen Arbeiter
— dazu nötigen, den Aufwand für die Wohnung in engen
Grenzen zu halten, soweit nicht die Wohngelegenheit als Teil des
Lohnes gewährt wird, und weiter auf der Unzulänglichkeit hygienischer
Anlagen, deren Ausgestaltung überhaupt auf dem Lande erklärlicherweise
zu wünschen übrig läßt. Auf solche Erscheinungen läßt schon die
Tatsache schließen, daß in weniger dicht bevölkerten, überwiegend
landwirtschaftlichen Provinzen Preußens die Bevölkerung sich auf die
vorhandenen Wohnstätten dichter zusammendrängt, als in dichtbevölkerten,
gewerblich hoch entwickelten Provinzen. Aus dem Statistischen
Jahrbuch für den preußischen Staat (1903) läßt sich folgende Nebeneinanderstellung
ableiten.
Es entfallen auf:
Provinz
1 qkm
1 bewohnte
Wohnstätte
Provinz
1 qkm
1 bewohnte
Wohnstätte
Bewohnte
Wohnhäuser
Bewohner
Haushaltungen
Bewohner
Bewohnte i
Wohnhäuser ;
Bewohner [
<3J
CG
ps s=J
c3 £
MS
£
Bewohner |
Brandenburg ohne
Schlesien ....
11,4
115,8
2,3
9,9
Berlin ....
7,0
78,0
2,5
10,9
Westfalen ....
16,1
157,1
1,8
9,8
Posen
6,2
65,1
2,1
10,4
Rheinprovinz . .
24,9
213,4
1,7
8,5
Pommern ....
5,2
54,3
2,2
10,2
Sachsen . . .
13,0
112,2
1,9
8,5
Westpreußen. . .
5,9
61,2
2,1
10,2
Hessen-Nassau . .
15,1
120,9
id
7,9
Ostpreußen . . .
5,4
54,0
2,0
9,8
Hiernach sind die links aufgeführten Provinzen mit mäßiger Volksdichtigkeit
weniger dicht bebaut als die rechts angegebenen bevölkerungsreichen
Provinzen, und die einzelne Wohnstätte ist in jenen
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