Object: Die Brünner Wollindustrie 1928

In- und Auslande so bedeutende Aufträge, daß sie ihre Betriebsmittel mit einem 
hohen Prozentsatz der vollen Leistungsfähigkeit ausnützen konnten und der 
Beschäftigungsstand sich gegen Jahresende der Friedensziffer 
näherte. 
Im Jahre 1922 haben schwere Währungskrisen die günstige 
Entwicklung der Brünner Wollindustrie jäh unterbrochen. Als zu 
Beginn des Jahres 1922 sich der Kurs der tschechoslowakischen Krone sprung- 
haft erhöhte und die Züricher Notierung binnen wenigen Wochen von 5 auf 
10 Centimes stieg, stornierte ein großer Teil der Kundschaft die Aufträge, weigerte 
sich, die bestellten Waren zu übernehmen und die Fabriken sahen sich genötigt, 
ihre Erzeugung rasch auf das weitgehendste einzuschränken. Die Lage wurde 
noch dadurch verschärft, daß gleichzeitig die Währungen der Nachfolgestaaten 
in rückläufige Bewegung gerieten. Kaum war eine gewisse Beruhigung der Ge- 
schäftslage eingetreten, begann im August des Jahres 1922 der Kurs der tschecho- 
slowakischen Krone neuerlich emporzuschnellen und erreichte in Zürich den 
Höhepunkt von fast zo Centimes. Durch diese überstürzte Werterhöhung der 
tschechoslowakischen Krone geriet die gesamte tschechoslowakische Textil- 
industrie, vor allem auch die Brünner Wollindustrie, in eine geradezu katastro- 
phale Lage, Die Nachfrage hörte völlig auf und die erteilten Aufträge wurden 
zum großen Teile rückgängig gemacht. Durch die scharfe Entwertung von Mate- 
rialvorräten und Waren, durch die in erschreckendem Maße zunehmenden Zah- 
{ungseinstellungen der Abnehmer erlitt die Wollindustrie Verluste von außer- 
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