In- und Auslande so bedeutende Aufträge, daß sie ihre Betriebsmittel mit einem
hohen Prozentsatz der vollen Leistungsfähigkeit ausnützen konnten und der
Beschäftigungsstand sich gegen Jahresende der Friedensziffer
näherte.
Im Jahre 1922 haben schwere Währungskrisen die günstige
Entwicklung der Brünner Wollindustrie jäh unterbrochen. Als zu
Beginn des Jahres 1922 sich der Kurs der tschechoslowakischen Krone sprung-
haft erhöhte und die Züricher Notierung binnen wenigen Wochen von 5 auf
10 Centimes stieg, stornierte ein großer Teil der Kundschaft die Aufträge, weigerte
sich, die bestellten Waren zu übernehmen und die Fabriken sahen sich genötigt,
ihre Erzeugung rasch auf das weitgehendste einzuschränken. Die Lage wurde
noch dadurch verschärft, daß gleichzeitig die Währungen der Nachfolgestaaten
in rückläufige Bewegung gerieten. Kaum war eine gewisse Beruhigung der Ge-
schäftslage eingetreten, begann im August des Jahres 1922 der Kurs der tschecho-
slowakischen Krone neuerlich emporzuschnellen und erreichte in Zürich den
Höhepunkt von fast zo Centimes. Durch diese überstürzte Werterhöhung der
tschechoslowakischen Krone geriet die gesamte tschechoslowakische Textil-
industrie, vor allem auch die Brünner Wollindustrie, in eine geradezu katastro-
phale Lage, Die Nachfrage hörte völlig auf und die erteilten Aufträge wurden
zum großen Teile rückgängig gemacht. Durch die scharfe Entwertung von Mate-
rialvorräten und Waren, durch die in erschreckendem Maße zunehmenden Zah-
{ungseinstellungen der Abnehmer erlitt die Wollindustrie Verluste von außer-
7 R