Full text : Die südrussische Eisenindustrie

Die  Entwicklung  bis  zum  Kriege.

Anfangs  der  90  er  Jahre  wurde  unter  dem  Ministerium  Witte
ein  verschärfter  Zollsohutz  für  alle  Erzeugnisse  des  russischen  Bergbaues ­
  und  der  Eisenindustrie  eingeführt,  und  zugleich  hiermit  erfolgte ­
  die  Heranziehung  fremdländischen  Kapitales  zur  Errichtung
einer  eigenen  Industrie  im  Süden  Rußlands.  Als  Kapitalgeber  erschienen ­
  vorzugsweise  Franzosen  und  Belgier.
Die  Möglichkeit  zur  Schaffung  einer  großen  südrussischen  Eisenindustrie ­
  war  gegeben,  seitdem  der  Jekaterinoslawer  Gutsbesitzer
Alexander  Pohl  nach  jahrelangen  Bemühungen  Anfang  der  80  er
Jahre  die  Ausbeutung  der  Krivoi  Roger  Erzfelder  durch  die  Gründung ­
  der  „Societe  Fran9aise  des  Mines  et  Hauts-Fourneaux  de  Krivoi
Rog“  veranlaßt  hatte.  Die  Mächtigkeit  des  Erzvorkommens  von
Krivoi  Rog,  der  reiche  Eisengehalt  und  das  Fehlen  jedweder  störender ­
  Beimengungen  in  den  Erzen  ließen  die  Aussicht  auf  eine  große
südrussische  Eisenindustrie  im  Verein  mit  dem  bekannten  Kohlenvorkommen ­
  des  Donezgebietes  berechtigt  erscheinen.
Die  von  dem  Engländer  Hughes  in  den  70er  Jahren  im  Kohlengebiete ­
  errichteten  Eisenwerke  der  „Neurussischen  Gesellschaft“,
welche  mit  örtlichen  Brauneisenerzen  ein  kümmerliches  Dasein  gefristet ­
  hatten,  erwarben  im  Jahre  1885  Erzfelder  bei  Krivoi  Rog.
Im  nächsten  Jahre  wurde  durch  die  belgische  Firma  John  Cockerill
im  Verein  mit  der  Societe  des  Acieries  de  Varsovie  die  „Societe
Metallurgique  Dnjeprovienne  du  Midi  de  la  Russie“  gegründet.  Dieser
Gründung  folgten  dann  im  nächsten  Jahrzehnte  eine  Reihe  von
belgischen  und  französischen  und  im  geringen  Maße  deutschen  Gesellschaften, ­
  die  den  Erzbergbau  von  Krivoi  Rog,  den  Kohlenbergbau
des  Donezbeckens  und  die  Errichtung  von  gemischten  Hüttenwerken
im  Jekaterinoslawer  und  Donezbezirke  bezweckten.
Um  die  Wende  des  Jahrhunderts  stand  dann  diese  neuzeitlich
eingerichtete  Eisenindustrie  in  der  Hauptsache  fertig  da  in  einem
Lande,  in  welchem  der  Bedarf  an  Eisen  und  Stahl  erst  geweckt
werden  mußte.  Schon  als  nur  ein  Teil  dieser  neubegründeten  Ge-Klein,
  Die  südrussische  Eisenindustrie.  1
            
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