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nach Wjasma, wodurch eine Strecke von 440 W entsteht, während die
direkte Strecke Moskau—Wjasma nur 228 W lang ist. Natürlich haben
derartige Verbindungen größeren Wert für die Zwischenstationen, denen
hierdurch ein bequemer Verkehr mit den Hauptstädten ermöglicht ist.
Die besten Gelegenheiten, auch die kleineren Gouvernementshaupt
städte aller Reichsteile möglichst im selben Kurswagen zu erreichen,
haben die beiden Hauptstädte, St. Petersburg in noch höherem Maße
als Moskau. Die Verkehrserleichterung, die -so geboten wird, kann
wohl einzigartig genannt werden. So erreicht man von Moskau (über
Bologoje) Pskow und die etwas abgelegene Wolgastadt Simbirsk, so von
St. Petersburg, wie natürlich auch von Moskau, Poltawa. Wenn einige
Provinzhauptstädte sich nicht derartiger Verbindungen erfreuen, so kann
dies daran liegen, daß der Ort nur schmalspurig an die Außenwelt ange
schlossen ist, wie Archangelsk, Shitomir, Tschernigow, Nowgorod, oder
daß das Fehlen von Brücken Fahrtunterbrechungen nötig macht, wie
zurzeit noch bei Kasan und bei Astrachan. Von den 59 Provinzhaupt
städten des europäischen Rußland haben allein 43 eine direkte Ver
bindung mit St. Petersburg. Von den übrigen 16 liegen 5 an Bahnen,
die nicht die russische Reichsspur haben (so auch Piotrkow an der
Warschau-Wiener Bahn), 4 haben überhaupt noch keine Bahnver
bindung 1 ), bei zweien mangeln noch die Brücken, so daß nur 5 an Reichs
spurbahnen gelegene Hauptstädte keine direkte Verbindung mit der
Stadt Peters des Großen haben. Kaum ein anderes Eisenbahnsystem
wird ähnlich bequeme Verbindungen in so großer Zahl aufzählen können.
Aus den Petersburger Verbindungen zieht auch Moskau seinen Vorteil,
da die Nikolaibahn der Hauptleiter des großen eigentlich russischen
Verkehrs ist und über Moskau hinaus ausgezeichnete Verbindungen
ermöglicht, so nach Charkow, Sewastopol, Feodossia und nach Rostow.
Die östliche Hauptbahn über Rjäsan, Koslow, Woronesh erwirkt einen
weiteren direkten Verkehr mit Rostow, beide Linien über Rostow mit
den kaukasischen Städten.
Selbst das peripherisch gelegene Warschau unterhält einen direkten
Wagenverkehr mit 27 (europäischen) Gouvernementshauptstädten, dar
unter mit Pensa, Samara, Orenburg und Saratow. Warschau ist zu
gleich auch die einzige große russische Stadt, die einen unmittelbaren
Verkehr mit dem europäischen Ausland pflegt, und zwar unter Ver
mittlung der beiden alten Hauptlinien der verstaatlichten Warschau-
Wiener Bahn. Auf der nördlichen Linie verkehren zweimal täglich
Wagen über Thorn, Bromberg nach Berlin, einmal wöchentlich über
Thorn, Posen, Berlin, Köln nach Ostende und Paris. Die südliche
Hauptbahn vermittelt einen zweimaligen Tagesverkehr mit Wien, einen
einmaligen mit Rom (1922 km). Im Sommer bestehen Anschlüsse
l ) Im .Jahre 1913. Seitdem gibt es nur noch 2 bahnlose Hauptstädte.
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