Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

58 Elftes Buch. Drittes Kapitel. 
kaufte; jedes kräftige Streben irgend einer fürstlichen Gewalt 
nach einer Oberherrschaft zur See erschien auf lange ausge— 
schlossen und der günstige Zustand der zweiten Hälfte des 
13. Jahrhunderts wiederhergestellt, unter dem die Städte zu so 
großem Fortschritt gediehen waren. 
Allein bald zeigte sich, wie irrig Hoffnungen dieser Art 
waren. Der neue König, Waldemar Atterdag, war des 
Namens seines großen Ahns aus den ersten Jahrzehnten des 
13. Jahrhunderts würdig; er zeigte noch einmal, was sich 
mit der dänischen Macht erreichen ließ, wenn sie energisch zu— 
sammengerafft ward. Ein einsichtiger Volkswirt in der Art 
seiner großen Zeitgenossen, eines Karl IV., Kasimir von Polen, 
Winrich von Kniprode, wußte er sich in den Besitz bedeutender 
Geldmittel zu setzen, und alsbald verwandte er sie zur Be⸗ 
soldung von Mietsheeren und zur erneuten Ausbreitung der 
dänischen Macht. 
Wie seine Vorfahren, faßte er hierfür zunächst die deutschen 
Dstseeküsten ins Auge. Mit verhältnismäßig geringem Erfolge: 
denn hier trat ihm in Karl IV. ein ebenbürtiger Kopf ent⸗ 
zegen. Für Karl war schon Ende der vierziger Jahre der 
Besitz der Mark Brandenburg ein klug umworbenes Ziel; im 
Juli 1348 machte er die mecklenburgischen Fürsten zu Herzögen 
und belehnte sie von Reichs wegen; nicht minder ward Herzog 
Barnim III. von Stettin von ihm mit Rügen belehnt, das die 
dänischen Könige seit der Zeit Heinrichs des Löwen nicht aufge— 
hört hatten als ein von ihnen zu vergebendes Lehen anzusprechen. 
Es war klar: wurde Karl IV. Brandenburgs Herr, so stand 
eine luxemburgische Ostseepolitik von weiten Zielen in Aussicht. 
Hiergegen wandte sich Waldemar; im Sommer 1349 ging 
er mit einem Heere durch die Küstenländer nach Brandenburg 
und nötigte Karl, auf seine nordischen Pläne zunächst zu ver— 
zichten. Auch nahm er die mecklenburgischen Herzöge wiederum 
in die Vasallenschaft seines Reiches auf und schloß ein Bündnis 
mit Polen. Es war ein Memento für Karl IV.; zugleich aber 
uͤberzeugte sich Waldemar, daß eine erweiterte Eroberungspolitik 
nach Süden hin ihn doch in einen schweren und seinem Ausgange
	        
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